Vorwort


Diese Seite ist eine Dokumentation zur Geschichte der Juden im 19. und 20. Jh.
und der Zwangsarbeiter in Elze (Han.).
Für Elze fehlte eine öffentliche Beschäftigung mit diesem Teil der Geschichte bisher leider völlig.
Deshalb begann ich im Jahr 2006 Dokumente, Zeitungsartikel und Fotos zu suchen und in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen. Aussagen von Zeitzeugen sind aufgenommen worden.
Auf die Darstellung weitergehender Zusammenhänge und auf Wertungen verzichte ich.
Die Ergebnisse sollen hier gezeigt und bei neuen Funden immer wieder ergänzt werden. Für diese Aufgabe bietet sich das Internet als Veröffentlichungsform an. Diese Seite existiert seit Mai 2011 und wird immer wieder ergänzt.
Ich bitte um Ihre Mithilfe, um Ergänzungen, Kritik und Hinweise zu diesem Thema.


Dank
An erster Stelle müssen hier Herr Willi Wolter (†) , Herr Adolf Helmer, Herr Friedrich Dreyer, Herr August Blinne, Herr Wilfried Wente, Frau Hanna Rothberger, Frau Gerda Beverburg (†), Frau Elisabeth und Frau Eva Maria Mundt, Herr Werner Müller, Herr Georg Fandrich, Herr Bruno Mäckeler(†) , Herr Rolf Becker (†), alle Elze, genannt werden. Viele Hinweise und Informationen verdanke ich Ihnen.

Das Heimatmuseum Elze, das Stadtarchiv Elze, das Stadtarchiv Gronau, das Archiv der Leine-Deister-Zeitung, das Stadtarchiv Hildesheim, das Kreisarchiv in Hildesheim, das Staatsarchiv in Pattensen und der ITS in Arolsen ermöglichten Einsichten in viele Dokumente.

Besonderer Dank gilt Herrn Jürgen Huck, Archivdirektor a.D., Köln und Herrn Werner Beermann, Elze, die sich mit dieser Dokumentation intensiv beschäftigt haben. Manche Korrektur und Ergänzung haben sie erst ermöglicht.

Ich danke ausdrücklich Herrn Peter Wolfes, UK, sowie einigen anderen Herren, die, wie Herr Wolfes, diese Seite im Internet fanden , mir wertvolle Informationen übermittelten, die aber hier namentlich nicht genannt werden möchten.





Jürgen Sempf, Elze, im November 2013







Juden in Elze




Inhaltsverzeichnis



- Juden in Adress- und Einwohnerverzeichnissen von Elze, Mitglieder der Synagogengemeinde

- Zweites Vorwort

- Dokumente zur Judenverfolgung in Elze

- Die Mahnmale auf dem Opernplatz in Hannover und am Bahnhof Fischerhof

- Heine und Holländer, Waggonfabrik- Zur Geschichte der Familie Holländer

- Leopold Cohnhoff

- Familie Höxter

- Familie Julius Oppenheimer

- Familie Eduard Oppenheimer

- Familie Ferdinand Philipp

- Familie Rosenstern

- David Schalit

- Moritz Stern, Hedwig Stern, Moses Stern

- Familie Wolfes

- Zu den Deportationen und Ermordungen jüdischer Familien aus Elze

- Jüdische Gemeinde und Synagoge in Mehle

- Die jüdischen Friedhöfe in Elze und Mehle

- Quellenverzeichnis






Zwangsarbeiter in Elze




Inhaltsverzeichnis



- Gräber auf dem Elzer Friedhof

- Das Lager hinter der Bahn und andere Unterkünfte

- Zwangsarbeiter ?

- Einzelbilder

- Zur Situation nach der Befreiung


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Juden in Adress- und Einwohnerverzeichnissen von Elze,
Mitglieder der Synagogengemeinde







Die Auswertung einer Standesamtsaufstellung, SAE ergibt folgende 18 Familiennamen von Juden, die im Zeitraum von 1874 - 1953 in Elze geboren wurden, geheiratet haben oder gestorben sind:

Dannenberg, Graetz, Höxter, Herz, Kornberg, Mondschein, Münster, Oberdorf, Oppenheimer, Palmbaum, Philipp, Rosenstern, Stern, Stein, Schloss, Süßapfel, Schürmann und Wolfes

Übersicht über entsprechende Eintragungen in Adressbüchern und Einwohnerverzeichnissen :


Aus dem Adressbuch von 1927, Hildesheim Stadt und Land :

Heine und Holländer Waggonfabrik * , Sehlderstraße 10
Leopold Cohnhoff , Prokurist ,Bahnhofstraße 11b
Berthold Höxter, Reisender, Bahnhofstraße 26
Julius Oppenheimer*, Viehhändler, Hauptstraße 64
Emil Rosenstern*, Viehhändler, Bahnhofstraße 2
Moritz Stern*, Fellhändler, Neue Straße 11
Dagobert Wolfes *, Getreidegeschäft, Hauptstraße 68
*bedeutet: ist Hausbesitzer

Nach August Blinne (Einwohnerliste 1898-1900):
1889 -1900 wohnten im Haus 205 (Hauptstr.68):
Eduard Oppenheimer (Kaufmann)
Willi Philipsborn (Lehrling)
Dagobert Wolfes (Banquier)
Samuel Wolfes (Banquier) (siehe Einwohnerliste der Stadt Elze (1898-1900) (Blinne)
Im Haus 239 (jetzt Bahnhofstr.57, früher 19) wohnte Leopold Cohnhoff (Commis?)
Emilie Stern im Haus 260
und Harry Wolfes (Banquier) mit Cohnhoff im Haus 239
Anmerkung. Ein David (Israel) Wolfes, Rentner wohnte 1940 und 1941 in der Wißmannstr. in Hannover

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„1933 waren davon die Familien Rosenstern (3 Personen), Höxter (vier) und Oppenheimer (drei Personen) übrig geblieben. Sie schlossen sich in den 1930er Jahren mit der Synagogengemeinde Gronau zusammen. Im Januar 1936 lebten 11 Juden in Elze, außerdem in Mehle Isaac Fleischmann.“ (zit. n. Dirk Riesener)

Wie die unten zitierte Todesanzeige belegt, war die Familie von Siegmund Stern 1933 bereits aus Elze verzogen.


Aus dem Alphabetischen Einwohnerverzeichnis der Stadt Elze (Hann) aus dem Jahre 1934 :

Höxter, Berthold, Kaufmann, Bahnhofstr. 17
Oppenheimer, Julius, Viehhändler, Hauptstr. 64
Rosenstern, Alb., Händler, Bahnhofstr. 2
Rosenstern, Emil, Privatmann, Bahnhofstr. 2
Stern, Moritz, Neue Str.11

Aus dem Alphabetischen Einwohnerverzeichnis der Stadt
Elze (Hann) aus dem Jahre 1938
:

Oppenheimer, Ella, Viehgeschäft, Hauptstr. 64

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Eine sichere Quelle für in Elze damals lebende Juden stellen die Meldungen des damaligen Synagogenvorstehers Dagobert Wolfes dar (vgl. Hauptstaatsarchiv Hann 174 Alfeld, 369,1- 3).
Dieser musste zur Ermittlung von Abgaben an die Landesrabbinatskasse die Namen der Mitglieder und die Höhe der jeweils gezahlten Einkommensteuer melden.
Die erhaltenen Meldungen betreffen die Jahre 1906 -1932

In einer Auflistung von 1906/07 werden als Mitglieder der Synagogengemeinde Elze vermerkt:
Stern Siegmund, Lohgerber Oppenheimer Eduard, Kaufmann
Oppenheimer, Witwe Wolfes. Gebr.
Oppenheimer Julius, Viehhändler Höxter Berthold, Kaufmann
Wolfes Witwe, Rentnerin Phillipp Ferd., Kaufmann
Wolfes Dagobert, Bankier Cohnhoff Leop., Kaufmann
Samenfeld Herm., Kaufmann

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1907
Seelenzahl der Gemeinde: 29
Zahl der beitragspflichtigen
Mitglieder : 9



Dagobert Wolfes
Frau S. Wolfes
Julius Oppenheimer
Eduard Oppenheimer
Ferd. Phillipp
Leopold Cohnhoff
Siegmund Stern
Frau R. Oppenheimer

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Auf die Veröffentlichung der jeweils gezahlten Steuern verzichte ich hier und im Folgenden. Die Unterschiede sind enorm.


1908

1)Wolfes Dagobert, Bankier
2)Wolfes Rosa, Rentiere *)
3)Gebr. Wolfes Bank und Getreidegeschäft
4)Oppenheimer Eduard, Kaufmann
5)Oppenheimer Julius, Viehhändler
6)Stern Siegmund, Gerbereibesitzer
7)Phillipp Ferd., Prokurist
8)Löwenstein Hermann, Reisender
9)Stern Moritz , Händler
10)Cohnhoff Leopold, Prokurist
11)Höxter, Berthold, Reisender
12)Oppenheimer Rosette, Rentiere *)
13)Kreuzer Bernhard, Handlungsgehilfe

*) jemand der von Kapital- Miet- oder Pachteinnahmen lebt

8),9) und 13) sind offenbar neu in Elze, 13 wird schon 1909 nicht mehr aufgeführt.

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Für das Jahr 1913 vermerkt Dagobert Wolfes, dass Frau Rosette Oppenheimer verstorben ist und die Familie Phillipp und Frau Ed. Oppenheimer „von hier verzogen“ sind. Später genauer:“ Frau Oppenheimer ist am 1.10.1913 nach Hannover verzogen, Ferd.Phillipp ist am 1.8.1913 nach Hannover verzogen.“

1914/15: Rosa Wolfes, Dagobert Wolfes, Julius Oppenheimer, Siegmund Stern, Leop. Cohnhoff, Berth.Höxter, Moritz Stern

Später schreibt er unter Bemerkungen: Frau Rosa Wolfes ist am 18.5.1914 verstorben.

1915/16 wird erstmals neben Dagobert Wolfes, J.Oppenheimer, L.Cohnhoff und M.Stern auch Emil Rosenstern genannt

1916/17 werden die Viehhändler Emil Rosenstern und Julius Oppenheimer, der Prokurist Leopold Cohnhoff, der Kaufmann Dagobert Wolfes und der Händler Moritz Stern aufgeführt.

1917/18 beträgt die Seelenzahl 23 und die Zahl der beitragspflichtigen Mitglieder nur noch 5. Empfänger des Geldes ist das Bankhaus Davidson in Hildesheim.

Dagobert Wolfes schrieb unter Bemerkungen:
„Berthold Höxter: Kein Gemeindemitglied
Leopold Cohnhoff „mit September 1916 zum Heeresdienst eingezogen“
Moritz Stern „mit 1915 zum Heeresdienst eingezogen“

1919:


Dagobert Wolfes, Kaufmann
Leopold Cohnhoff, Kaufmann
Berthold Höxter, Reisender
Walter Holländer, Prokurist
Julius Oppenheimer, Viehhändler
Moritz Stern, Händler
Emil Rosenstern, Viehhändler

Holländer wird hier erstmals, 1922 nicht mehr aufgeführt.

Am 15.4.1926 erfolgt eine Auflistung der Synagogenmitglieder, die auch Ehefrauen und Kinder beinhaltet:

Wolfes, Dagobert
Cohnhoff, Leopold und Gertrud
Höxter, Berthold und Anni, Gerti (Tochter) und Fritz (Sohn)
Oppenheimer Julius und Ella
Stern, Moritz
Rosenstern, Emil und Emilie, Erich(Sohn), Albert (Sohn), Fritz(Sohn), Irma (Tochter)

Am 8. September 1927 meldet Wolfes die „Seelenzahl“ der Gemeinde mit 16.

1929 erscheint ein Viehhändler Erich Rosenstern in der Auflistung für Gronau.

Am 6. Mai 1932 listete Dagobert Wolfes in seiner Eigenschaft als Synagogenvorsteher auf:

Wolfes, Dagobert, Kaufmann
Oppenheimer, Julius, Kaufmann
Rosenstern, Emil, Kaufmann
Höxter, Berthold, Reisender
Rosenstern, Albert, Fellhändler
Stern, Moritz, Händler

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Entsprechende Unterlagen für frühere oder spätere Zeiträume waren bisher nicht zu finden.

Einen unvollständigen Überblick ergibt folgendes Dokument:

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August Blinne gibt in der Leine-Deister-Zeitung vom 7.12.2012 einige Hinweise auf das Leben von Juden
in Elze vor 1900:

"Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich August Blinne mit der Elzer
Stadtgeschichte. Der 80-Jährige sieht es als eine Art Verpflichtung, seine Ergebnisse für den Heimat- und Geschichtsverein und damit auch für die Nachwelt zu erhalten. Aktuell beschäftigt sich Blinne mit der Geschichte der Steinbrüche am Teufelsberg". Wie Blinne recherchiert hat, hatten der Kaufmann Wilhelm Jung und sein Bruder Bernhard mehrere Steinbrüche davon zwei am »Teufelsberg". Sie waren jüdischer Herkunft. 1856 bauten die Brüder das Haus 212 (heute Bahnhofstraße 59), das einzige Haus, das die Hausnummer im Eingang eingegeben hat. 1898 machten sie mit ihren Steinbrüchen Konkurs, und das Haus an der Bahnhofstraße wurde zwangsversteigert. 1903 wurde das Haus an den Gärtner Gustav Leyh verkauft........."





Zweites Vorwort



Auf Seite 83 der Protokolle zur Sitzung der Städtischen Kollegien der Stadt Elze wurde am Montag, den 1. August 1935, (SAE) , vermerkt:

"Stadtrat Walter hat folgende Entschließung beantragt:
1. Das Zuziehen von Juden auch getauften Juden nach Elze ist unzulässig.
2. Handwerker und Gewerbetreibende, die mit Juden handeln, erhalten keine
öffentlichen Aufträge.
3. Grundstücksverkäufe an Juden sind unzulässig.

Der Antrag fand die einstimmige Billigung des Gemeinderates.
Desgleichen wurde die Sperrung der Badeanstalt gegen Benutzung dieser durch Juden gut geheißen."

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In dieser Weise, durch Gesetze, Verordnungen, Erlasse und Polizeiaktionen wurden auch Elzer Juden verfolgt und in der Folge später verhaftet, gequält und ermordet.

Von oben nach unten gingen die Befehlsketten. Sie waren Zwang, trafen aber auch zu oft auf willigen Gehorsam und gleiche Überzeugung.

Die folgenden Dokumente zeigen, dass an der Befehlskette Berlin - Elze
z.B. Göring, Sicherheitsdienst des Reichführers SS, Geheimes Staatspolizeiamt (Heydrich), Geheime Staatspolizei- Staatspolizeistelle Hildesheim, der SD- Unterabschnitt Südhannover-Braunschweig, der Regierungspräsident in Hildesheim, der Landrat in Alfeld, die Bürgermeister in Elze und im Kreis beteiligt waren..

Dokumente zur Judenverfolgung in Elze



Im Landesarchiv sind unter Hann 174/ Nr. 44 und 45 weitere dies nachweisende Schriftstücke zu finden. Sie bedeuteten und dokumentieren für die in Elze bzw. im Kreis Alfeld lebenden Juden Verfolgung. Sie stammen aus den Jahren 1936-1941.

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Einige sind hier chronologisch aufgeführt.
Schriftstücke aus dem Stadtarchiv Elze sind mit Quellenangabe zeitlich eingeordnet:


4.5.1936 Die Zollfahndungsstelle Hannover wendet sich an die Stadt Elze, um den Aufenthaltsort von Berthold Höxter und dessen Frau zu erfahren. (SAE II 30 5), (s. Familie Höxter)

16.11.1937 Vertraulich befiehlt der Reichs- und Preussische Minister des Innern (Im Auftrage gez. Heydrich): „An Juden sind Reisepässe mit Geltung für das Ausland nicht auszustellen, …“ Es folgen mehrere Ausnahmezulassungen, die sich vor allem auf Auswanderungen und Reisen im volkswirtschaftlichen Interesse beziehen. (Stadtarchiv Elze, II 26 III I)

27.4.1938 Von Juden ist das „Verzeichnis über das Vermögen von Juden“ auszufüllen.
Aus Elze werden dazu Ella Oppenheimer, Alice Palmbaum, Albert und Emil Rosenstern gemeldet. Handschriftlich wurde bei den beiden Letzten
„nach Hannover verzogen“ zugefügt.

15.6.1938 Bürgermeister Ludwig Huck benennt „die im hiesigen Bezirk wohnhaften Juden“
(Ella Oppenheimer, Alice Palmbaum, Emil, Helene und Albert Rosenstern) und führt ferner aus:…“Jüdische Vereine bestehen hier nicht. Jüdische Mischlinge I. und II. Grades und ebenfalls Personen, welche mit Juden verheiratet sind, sind nicht vorhanden.“

29.6.1938 Der Landrat in Alfeld meldet an die „Staatspolizei Hildesheim“ eine Liste der Juden, jüdischen Mischlingen, mit Juden verheirateten Personen:
(Die Liste wurde von der Geheimen Staatspolizei – Staatspolizeistelle Hildesheim - am 16.5.1938 angefordert, Bürgermeister Ludwig Huck antwortete am 15.6.38)
Für Elze meldete er:
Oppenheimer, Ella, geb. Frank , geb. 26.8.76, Witwe, Hauptstr. 64
Palmbaum, Alice, geb. Oppenheimer, geb. 31.10.99, ohne Beruf, Hauptstr. 64
Rosenstern, Emil, geb. 6.4.1867 in Polle, Händler, Bahnhofstr. 2 Vermerk: Nach Hannover verzogen
Rosenstern, Helene, geb. 1.10.1867 in Boffzen, Ehefrau dsgl.
Rosenstern, Albert, geb. 28.11904 in Wallensen, Kaufmann dsgl.

16.8.1938 Der Bürgermeister (i.V.) stellt in einem Schreiben an den Landrat fest:
„ Z. Zt. sind jüdische Gewerbetreibende in Elze nicht vorhanden.“
Anmerkung von Jürgen Huck: Der vertetende Bürgermeister war Heinrich Hennies.

9./10.11.38 In Elze sollen Möbel aus dem Fenster geflogen sein. (Herr Wolter, Zeitzeuge)

10.11.1938 8.45 Uhr Fernspruch der Stapo Hildesheim: „Sämtliche Volljuden
– außer Kinder - sind sofort festzunehmen und dem Amtsgericht Alfeld zuzuführen.“

10.11.1938 10.00 Uhr Die Stadt Elze (Probst) meldet: Oppenheimer festgenommen.
Auch Bürgermeister Ludwig Huck meldet dem Amtsgericht Alfeld an diesem Tag:
“…der hier wohnhafte Volljude Erich Oppenheimer, geboren 29.1.1889 zu Elze festgenommen. Oppenheimer wird durch den Pol. Hauptwachtmeister Seibert dem dortigen Amtsgerichtsgefängnis zugeführt.“

10.11.1938 8 Juden aus Lamspringe, Alfeld, Gronau und Elze werden festgenommen.

10.11.1938 21.30 Uhr Der Chef der Sicherheitspolizei Heidrich befiehlt:
„Die Protestaktionen sind einzustellen.“
Die Gestapo Hildesheim befiehlt per Funkspruch:
Betr: Aktion gegen Juden
-Zahl der zerstörten Geschäfte
-Schadenshöhen
- Zahl der erwerbslos gewordenen Angestellten jüdischer Geschäfte melden

12.11.1938 RGBL I S.1580 „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem Deutschen Wirtschaftsleben“ (Damaliger Sprachgebrauch in den Behörden: „Entjudung“)

22.11.1938 Der Schutzgefangene Erich Oppenheimer darf unter Polizeiaufsicht zum Zahnarzt.

(Anmerkung: In einem Funkspruch des Regierungspräsidenten Hildesheim teilt dieser am 7.März1933 mit:
…“Schutzhaft rein polizeiliche Maßnahme, bei der jede Mitwirkung der Gerichte ausgeschlossen ist. Insbesondere kommt Verfolgung vor dem Richter nicht in Frage.“
)

22.11.1938 Der Landrat genehmigt, daß die Schwester von Erich Oppenheimer, Frau Palmbaum, mit ihm wegen „Abwicklungs- und Auswanderungsangelegenheit“ sprechen darf.

1.12.1938 „Die jüdischen Schutzhäftlinge Oppenheimer, Rosenberg, Gehlkopf werden aus dem Gerichtsgefängnis Alfeld entlassen.“ (Hinweis: Sie waren „Frontkämpfer“.(J.S.))

24.1.1939 Reichswirtschaftsministerium: Ablieferungspflicht für Juden von Schmuck und Juwelen

21.9.1939 Rundfunkgeräte von Juden sind zu beschlagnahmen.

26.3.1940 Der Regierungspräsident in Hildesheim gibt den Befehl Görings weiter dass „Deputationen“ ins Generalgouvernement (Teile Polens, J.S.) nicht mehr durchzuführen sind.
Anm: Im Befehl steht Deputationen statt Deportationen.

28.10.1940 Der Regierungspräsident in Hildesheim genehmigt die von der jüdischen Kultusvereinigung (Synagogengemeinde Elze e.V.) am 9.10. beschlossene Liquidierung der Vereinigung.

6.1.1941 Bürgermeister Huck meldet „Fehlanzeige“ bzgl. in Elze wohnhafter Juden

28.1.1941 Bürgermeister Huck meldet „Fehlanzeige“ bzgl. Fernsprechanschlüssen von Juden in Elze.

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Ein Resultat war also der Wegzug vieler Elzer Juden nach Hannover.

Bei der Auswertung der Adreßbücher der Stadt Hannover
aus den Jahren 1931 – 1943. (August Scherl, Deutsche Adreßbuch GesellschaftmbH, Hannover)

ist eine Namensgleichheit mit anderen nicht aus Elze stammenden Personen nicht auszuschließen.

Sie ergab:
1940 wohnten in der Herschelstr.31 E.Rosenstern und E.(Israel) Rosenstern, Privatmann
1941 wohnten in der Herschelstr.31 E.(Israel) Rosenstern,Arbeiter und E.(Israel) Rosenstern

1940-1941 wohnte in der Arndtstr.37 Ella, Sara Oppenheimer, Witwe

1931-1941 wohnte in der Birkenstr.41 oder 26 der Bücherrevisor Leopold Cohnhoff


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Die Mahnmale auf dem Opernplatz in Hannover und am Bahnhof Fischerhof



Bernd Gelderblom schreibt:
„Das Mahnmal auf dem Opernplatz in Hannover
Bei dem am 9. Oktober 1994 eingeweihten Mahnmal auf dem Opernplatz in Hannover handelt es sich nicht um eine Erinnerung an eine zerstörte Synagoge, sondern an die ermordeten Juden der Stadt. Das Mahnmal geht auf eine Initiative des Vereins Memoriam zurück. Dieser formulierte die folgenden Kriterien für das zu schaffende Mahnmal. Es sollte ein Denkmal sein
• für die Opfer, deren Namen zu nennen waren
• mitten in der Stadt –auf dem Opernplatz
• von hohem künstlerischem Rang
• finanziert aus den Spenden der Bürger dieser Stadt."


Der italienische Bildhauer Michelangelo Pistoletto entwarf dieses Denkmal.

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Der ungewöhnlich detaillierte Mahnmaltext lautet:
"Dieses Mahnmal ist zur bleibenden Erinnerung an über 6.800 Jüdinnen und Juden Hannovers errichtet worden. Viele lebten hier seit Generationen.
Ab 1933 wurden sie von den Nationalsozialisten gedemütigt, entrechtet, verjagt, in den Selbstmord getrieben oder getötet.
Die verbliebenen jüdischen Kinder, Frauen und Männer mussten 1941 ihre Wohnungen räumen und wurden mit Hilfe der Stadtverwaltung in Judenhäusern zusammengepfercht.
Von dort wurden sie ohne nennenswerten Widerstand der übrigen Bevölkerung aus der Bürgerschaft herausgerissen, deportiert und ermordet.
Die Transporte gingen am 28.10.1938 nach Polen,
am 25.6.1939 nach Polen,
am 15.12.1941 nach Riga,
am 31.3.1942 nach Warschau,
am 23.7.1942 nach Theresienstadt,
am 2.3.1943 nach Auschwitz,
am 16.3.1943 nach Theresienstadt,
am 11.1.1944 nach Theresienstadt,
am 20.2.1945 nach Theresienstadt.
Es gab nur wenige Überlebende in Hannover. 27 wurden am 10.4.1945 im Sammellager Ahlem von amerikanischen Soldaten befreit.
Die Namen der Ermordeten, soweit heute bekannt, sind auf diesem Mahnmal verzeichnet.
Errichtet 50 Jahre danach von einer Hannoverschen Bürgerinitiative, unterstützt von vielen Bürgerinnen und Bürgern und von der Stadt Hannover.
Hannover den 9.10.1994"

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Das Mahnmal nennt die "Gemordeten" beim Namen und versucht auf diese Weise, ihnen ihre Individualität zurück zu geben. Es vermeidet den letztlich religiösen Begriff des "Opfers", spricht auch nicht verhüllend von "unseren jüdischen Mitbürgern". Es verbirgt nicht die Täter, sondern benennt konkret und mannigfach ihr Handeln. Es spricht auch die Verantwortung der damaligen "Zuschauer" an.“
(B.Gelderblom, www.juedische-geschichte-hameln.de/.../inschriftenheuteha.html - )

"In die Sandsteinplatten des Mahnmals wurden die"...."Namen der ermordeten jüdischen Männer, Frauen und Kinder Hannovers eingraviert. Mit zwei Nachträgen durch jüngere Forschungen sind es heute 1.935 Namen und Schicksale."

(aus:Abgeschoben in den Tod, Die Deportation von 1001 jüdischen Hannoveranerinnen und Hannoveranern am 15.Dezember 1941 nach Riga, Ausstellungskatalog, S.77)






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Namen von jüdischen Opfern aus Elze, die auf diesem Mahnmal festgehalten sind:



Aus: Wikipedia, Bahnhof Hannover-Linden/Fischerhof:

„Gedenkstein vor dem ehemaligen Bahnhofszugang für die Deportierten“…

„Zwischen 1941 und 1945 wurden vom Bahnhof Fischerhof in acht Sammeltransporten Juden, Sinti und Roma aus dem Gebiet der Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim in verschiedene Ghettos und Konzentrationslager deportiert. Bei den ersten sieben Deportationen diente die Israelitische Gartenbauschule Ahlem als Sammellager. Der erste Zug brachte am 15. Dezember 1941 etwa 1.000 Menschen nach Riga. Zwei weitere Transporte erfolgten am 31. März 1942 nach Warschau und am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt. Ein weiterer Transport ging direkt in das Konzentrationslager Auschwitz. 1996 errichteten Vertreter von Sinti und Roma einen Gedenkstein für die Deportierten am Bahnhof.“


2006 wurde der Bahnhof modernisiert und verlegt.


„Verfolgung auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens
Aus dem Gebiet des heutigen Niedersachsens wurden 1938, 1940 und 1943 Sinti und Roma in Arbeitslager und Vernichtungslager deportiert. Die Zahl der als sogenannte "Asoziale" in die Konzentrationslager Buchenwald und Sachsenhausen deportierten Männer wird bei mehreren hundert liegen. Als Verhaftungsgrund reichte die Beschreibung - kein fester Wohnsitz, unregelmäßiges Einkommen - und die Familienmitglieder, insbesondere Väter wurden verhaftet.
Eine Rekonstruktion der Vorgänge konnte bis heute nicht ausführlich erbracht werden.
1940 wurden aus den "nordwestlichen deutschen Grenzgebieten", insbesondere aus Hamburg, mehr als 1000 Sinti und Roma in das Generalgouvernement in das besetzte Polen gebracht. Im März 1943 wurden die meisten, den Verfolgungsbehörden bekannten Sinti, in einem großen Transport nach Auschwitz-Birkenau in das sogenannte Zigeunerlager deportiert. Der Zug, der diese Opfer aufzunehmen hatte, hielt in den Städten Osnabrück, Minden, Hannover, Braunschweig und Magdeburg. In diesen Städten wurden sowohl diejenigen verhaftet, die sich in den kommunalen Sammellagern in Osnabrück-Papenhütte, in Hannover-Altwarmbüchener Moor, in Braunschweig-Veltenhof aufhielten, als auch die Familien, die noch im Stadtbereich wohnten. In Braunschweig wurde die Mehrzahl im Sammellager, in Hannover die Mehrzahl in ihren Wohnungen verhaftet. Namentlich bekant sind bis heute etwa 700 Personen. Fast alle Verhafteten starben in den verschiedenen Konzentrationslagern.“

Aus: www.sinti-niedersachsen.de/der_volkermord_an_sinti_und_roma


Aus der Waldekischen Landeszeitung Frankenberger Zeitung
„Z“ – Eine Tätowierung als Todesurteil „Zigeunerlager“
:


…“Nach dem Auschwitz-Erlass Himmlers vom 16. Dezember 1942 wurden Sinti und Roma aus dem Deutschen Reich und dem besetzten Europa in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt und dort größtenteils ermordet. Die an der „Rampe“ ankommenden Häftlinge wurden zunächst in „arbeitsfähig“ und „nicht arbeitsfähig“ selektiert. Letztere kamen sofort in die Gaskammern. Die Daten der „arbeitsfähigen“ Häftlinge wurden in Lagerbüchern erfasst. Außerdem tätowierte man ihnen ein „Z“ mit einer Nummer auf den Arm, kleinen Kindern auf den Oberschenkel. Im gesamten Einflussbereich der Nationalsozialisten fielen mehrere Hunderttausend Sinti und Roma dem Völkermord zum Opfer; Schätzungen reichen bis zu einer halben Million ....“...




Das Denkmal am Bahnhof Linden/Fischerhof:





Mir ist nicht bekannt, ob Sinti oder Roma, die Opfer wurden, Verbindungen nach Elze hatten.

Bemerkenswert finde ich, dass das Denkmal allen Verfolgten des Nationalsozialismus
gewidmet ist.

(Fotograf: Nifoto)

Von 1941 bis 1945 wurden mehr als 2100 Juden und im März 1943 wurden über 100 hannoversche Sinti und Roma
von hier aus deportiert.






C4






Heine und Holländer, Waggonfabrik- Zur Geschichte der Familie Holländer


Heine und Holländer, Waggonfabrik *, Sehlderstr.10 (Hier wohnte 1927 auch der Kupferschmied Adolf Cisilsky) (Graaff war da schon Direktor und wohnte in der Villa, siehe Adressbuch, war aber kein Hausbesitzer)
Das Haus liegt gegenüber dem Friedhof und ist ein Doppelhaus. Nach Aussage von Frau Rothberger wohnten rechts Meister, links Arbeiter der Firma.






Nach einer Zeitzeugenaussage, dokumentiert im Heimatmuseum Elze:
„ Der Vater von Walter Holländer, geb. ca.1897, stammte aus Aachen und kaufte 1914 einen Teil des Zuckerfabrikgeländes in der Fabrikstraße (jetzt Heinrich Nagelstr.) für seinen Sohn um dort ein Waggonfabrik mit Herrn Heine zusammen zu gründen. Walters Schwester Edith heiratet später Herrn Frank, die die Eltern von Anne Frank waren. Walter war von 1914 bis 1932 eng (be?)freundet (mit?) dem Haus Neumann. Walter floh über Holland nach New York, dort starb er unverheiratet ca.1960.“

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Walter und Abraham Holländer , Ausschnitt aus einem Hochzeitsfoto,
Rechte bei der Anne Frank Stiftung Amsterdam




Das Gruppenfoto:






Abraham Holländer hatte vielleicht zu Beginn die Verwertung/Veräußerung des ehemaligen Zuckerrübenfabrikgeländes und der Technik im Auge. Der Verkauf von Teilen des Geländes deutet darauf hin. Spätestens mit dem Eintritt Heines, der aus Hannover kam und dort mit seiner Frau eine entsprechende Firma betrieb, entstand aber die Waggonfabrik. Die erhaltenen Fotos von Produkten wie Busse, Straßenbahnen und Horchkarrosserien der Waggonfabrik Heine und Holländer zeigen, dass sich hier sehr schnell eine Firma entwickelte, deren Produkte höchstes technisches Niveau und eine überregionale Verbreitung fanden. Für einen Ort wie Elze war und ist das eine erstaunliche Entwicklung.

D2





Walter Holländer war- wie oben ausgeführt- einige Zeit (1919) Mitglied der Elzer Synagogengemeinde.
In einer E-Mail vom 9.3.2009 schrieb Herr Dreyer:

„Walter Holländer ist im Mai 1916 als Prokurist in die Waggonfabrik eingetreten.

Mit Schreiben vom 23.4.25 wurde er zum Geschäftsführer bestellt. In diesem
Schreiben ist seine Adresse mit Aachen, Liebfrauenstraße 5 angegeben.
Diese Adresse haben alle Holländer angegeben (Eltern, Kinder).
Vielleicht war das der Hauptwohnsitz und Elze etc. nur Zweitwohnung.

In einem Schreiben vom 3.5.33 teilte Joseph Graaff mit, dass die Vollmacht
von Walter Holländer erloschen ist.
Walter H. war also von Mai 1916 bis Mai 1933 in Elze tätig.

Die Fa. B. Holländer hatte in den 1920er Jahren noch einen Betrieb in Osterwald"..."
und in Hannover hatte man eine Wohnung gemietet. Ob die Wohnung
zu Wohnzwecken oder als Büro genutzt wurde (oder beides) ist nicht ersichtlich.“
Und weiter:
„Joseph Graaff hat in seiner Entnazifizierungsakte angegeben, dass er 1934 die
Waggonfabrik und 3 Werkshäuser erworben hat.“
Die Aktivitäten von Abraham Holländer bzgl. der Waggonfabrik hat Herr Dreyer im Buch „Die Elzer Waggon“ dokumentiert. Sie brauchen hier nicht wiederholt zu werden, zumal dieser sich offenbar nicht auf Dauer in Elze aufgehalten hat, anders hingegen sein jüngster Sohn Walter Holländer.
Fr. Dreyer auf Seite 19: “ Frau Ingeborg Seider, geb. Neumann (Neumann & Stutz), Geburtsjahr 1915, berichtete mündlich, dass Walter Holländer bereits 1914 nach Elze gekommen war. Er hatte gerade die Schule beendet und sollte nun in der Waggonfabrik seine Lehrjahre absolvieren. Gewohnt hatte er in der Bahnhofstraße 54. In dem Gebäude hatte zu der Zeit die Elzer Unternehmer-Familie Wolfes, die auch zu der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehörte, eine Bankfiliale eingerichtet. Auch der Elzer Bürgermeister Dr. Lisch
(ev.-lt.) wohnte in diesem Haus.

Walter Holländer dürfte sich bis ca. 1930 überwiegend in Elze aufgehalten haben. Er war nahezu täglich Gast bei Familie Neumann.“

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Friedrich Dreyer führt ferner aus:
1925 wurde Walter Holländer zum Geschäftsführer bestellt.
1927 beschließen die Erben von Abraham Holländer -Witwe Rosa Holländer, Julius Holländer und Walter Holländer- Joseph Graaff zum zweiten Geschäftsführer zu bestellen.
Am 3.5.1933 meldete Joseph Graaff - der 1927 zum zweiten Geschäftsführer bestellt worden war- dem Amtsgericht Elze, dass die Vertretungsbefugnis von Walter Holländer erloschen sei.
Am 18.6.1934 (s.o.)“ teilte Joseph Graaff dem Amtsgericht zur Registrierung mit, dass er alleiniger Inhaber der Waggonfabrik ist…“
Auf Seite 25 des Buches „Die Elzer Waggon“ findet sich ein Abschnitt zu den Lebensläufen der Mitglieder der Familie Holländer. Darunter:
„Walter Holländer, geb.06.02.1897 in Aachen, in der Reichskristallnacht (09. auf den 10.11.1938) verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen transportiert. Am 1. Dezember 1938 wurde er mit einer Sondergenehmigung in das Internierungslager Zeeburg bei Amsterdam gebracht.
Von dort konnte er am 16.12.1939 per Schiff in die USA ausreisen. Gestorben ist er am 19.09.1968 in New York. Walter Holländer war nie verheiratet.“


Aus Wikipedia
"Edith Frank-Holländer
Edith Frank-Holländer, geb. Holländer, (* 16. Januar 1900 in Aachen; † 6. Januar 1945 im KZ Auschwitz-Birkenau) war ein deutsches Opfer des Nationalsozialismus. Bekanntheit erlangte sie als Mutter von Margot und Anne Frank.
Frank-Holländer wurde als jüngstes von vier Kindern des Kaufmanns Abraham Holländer und der Rosa Stern in Aachen geboren. Ihre Vorfahren lebten in den Niederlanden und siedelten um 1800 nach Deutschland über. Ihr Vater war „ein prominentes Mitglied der jüdischen Gemeinde Aachens“.
Engen Kontakt hielt sie vor allem zu ihrer Mutter Rosa Holländer, die in Aachen geblieben war. Bereits während der Novemberpogrome 1938 waren Frank-Holländers Brüder Julius und Walter Holländer verhaftet worden. Während man Julius Hollaender als Kriegsveteran kurze Zeit später freiließ, wurde der Unternehmer Walter Holländer in das KZ Sachsenhausen deportiert.
Im Dezember 1938 wurde er in die Niederlande ausgewiesen, wo er in einem Flüchtlingslager in einfachsten Umständen lebte. Erst im Dezember 1939 durfte er in die USA ausreisen.
Seine Handelsgesellschaft B. Holländer wurde im Januar 1939 auf Grundlage der 1938 in Kraft getretenen „Ersten Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ aufgelöst. Julius Holländer gelang 1939 ebenfalls die Ausreise in die USA. Rosa Holländer gehörte zu den wenigen, die im März 1939 in die Niederlande ausreisen durften. Sie lebte hier im Haushalt von Frank-Holländer und verstarb am 29. Januar 1942 an Krebs. Sie wurde auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in Hoofddorp beigesetzt."...

Mirjam Pressler gibt in ihrem Buch ""Grüße und Küsse an alle" Die Geschichte der Familie von Anne Frank"
auf Seite 422 und 423 auch einen kleinen Teil des Stammbaums der Famile Holländer, Aachen wieder:

Abraham Holländer heiratete Rosa Stern
* 23.3.1855 Zweibrücken * 25.12.1866 Schwalbach
✝23.11.1929 Zweibrücken ✝1942 Amsterdam

ihre Tochter Edith (s.o.) heiratete

Otto Frank
* 12.5.1899 Ffm
✝19.8.1980 Basel

Sie hatten 2 Töchter:

Margot Betti Frank
* 16.2.1926 Ffm
✝März 1945 KZ Bergen Belsen

sowie
Anne (Annelies Marie) Frank
* 12.6.1929
✝März 1945 KZ Bergen Belsen

Otto Frank wußte noch nicht, dass auch seine Kinder sterben würden, als er schrieb:

"Viel kann ich nicht schreiben, denn die Nachricht von Edith´s Tod am 6.1.45, die ich jetzt erhielt, hat mich so getroffen, dass ich nicht ganz der alte bin. Der Gedanke an die Kinder hält mich aufrecht. Edith ist im Krankenhaus an Schwäche durch Unterernährung gestorben, sodass ihr Körper eine Darmstörung, die hinzukam nicht aushielt. In Wirklichkeit auch ein Mord der Deutschen. Hätte sie nur 14 Tage länger ausgehalten, dann wäre nach der Befreiung durch die Russen alles anders geworden."; zit.n. Mirjam Pressler, a.a.O., S.229

D4







Das folgende Dokument, das Friedrich Dreyer auffand und auch in seinem Beitrag zum Buch zur Geschichte der Firma Graaff veröffentlichte, macht zunächst sprachlos:






Die Aufzeichnungen des Standesamtes von 1954 enthalten zu Heine und zu Holländer keine Angaben.


D5







Leopold Cohnhoff


Prokurist, Bahnhofstraße 11b (Das ist die Filiale der Hildesheimer Bank*, dort wohnte zu dieser Zeit auch Bürgermeister Dr. Lisch)
Im Heimatmuseum dokumentiert ist folgende Zeitzeugenaussage:
„- Beruf: Büroangestellter in der Hildesheimer Bank (Bahnhofstraße, was heute Oelkers gehört)
- Familienstand: keine Kinder
- sind weggezogen.“
Nach der Festschrift zum Gauturnfest des MTV im Jahre 1902 war L. Cohnhoff im Verein aktiv.

In der Übersicht des Standesamtes zu Geburten, Eheschließungen und Sterbefällen von Juden in Elze gibt es zur Familie Cohnhoff keine Angaben.
Sein Bild befindet sich auf und im Abschnitt zur Familie Wolfes.

The Central Database of Shoah Victims Names nennt für die folgenden Angaben das Theresienstädter Gedenkbuch, Institut Theresienstädter Initiative, Band I-II; Melantrich, Praha Band III: Acadamia, Praha 2000 :

Nachname             Cohnhoff
Vorname                  Leopold
Geburtsdatum        08/10/1877
Aufenthalt während des Krieges        …,Hannover,Germany
Todesort             Terezin,Camp
Todesdatum             7.6.1943
Schlüssel zum Transport             Transport from Hannover to Terezin on
                                24/07/1942
….
Status des Opfers zum Kriegsende        gestorben

Anmerkung: Die gleiche Quelle sagt aus, dass Emil Rosenstern (s.u.) mit diesem Transport
ebenfalls zunächst nach Terezin, am 29.9.1942 dann weiter nach Treblinka deportiert wurde.

E1






Familie Höxter


Berthold Höxter war kaufmännischer Angestellter, Einkäufer bei Wolfes Getreidehandel, Bahnhofstraße 26,seine Ehefrau Anni, nach Auskunft von Fritz Höxter (so Herr Wolter, Freund und Zeitzeuge) eine Holländerin
Berthold Höxter arbeitete im Büro des Getreidehandel Wolfes, wahrscheinlich Ecke Bahnhofs- Gerberstraße – später Druckerei Schiller. (mündliche Mitteilung von Herrn Willi Wolter)

Sohn Fritz Höxter, geb. am 31.3.1925, ist nun (2008) in Stockholm ansässig.
Sein Vater war Vorbeter in der Synagoge in Gronau
Der Sohn von Fritz besuchte 1987 Herrn Adolf Helmer, seitdem besteht mit ihm ein Briefkontakt und auch telefonischer Kontakt mit Herrn Willi Wolter und Herrn H. Strube. Um die damalige Zeit geht es dabei nur am Rande. Herr Höxter möchte darüber in vielen Belangen nicht sprechen.

F1









Willi Wolter übergab mir am 5.2.2009 folgende Aufzeichnung und Bilder:
„Bis 1935 bestand in der unteren Bahnhofstraße eine Spielgemeinschaft von 4 Jungen: Helmut Rathmann (Sophienstr.), Heinerle Harries (Bahnhofswirt), Willi Wolter (Gerberstr.) und Fritz Höxter (Bahnhofstr. – Helmersches Haus). Wir waren alle im gleichen Alter und gingen auch in die gleiche Klasse der gleichen Schule. Bei schlechtem Wetter spielten wir auch in der alten Pookschen Kegelbahn gegenüber dem damaligen Pookschen Hotel – heute Post – und auch mal im Wartesaal 3. Klasse, den es damals im Gegensatz zur 2.Klasse gab. Oft waren wir aber auch bei den Höxters, vor allem zu den jüdischen Festen. Dann haben wir mit ihnen Matzen gegessen.


Am 28.4.1931 auf der Wiese hinter dem Papenhof
Durch Kreuz gekennzeichnet: Fritz und Gertie Höxter
unten links: Heinerle Harries, Willi Wolter, unten rechts: Helmut Rathmann und Fritz Höxter, der spätere „Räuberverein“


F2





Diese Feste waren auch oft Fastenfeste. Margarete Grupe (Waßmann) erzählte mir, daß Fritz dann oft bei ihnen gegessen hat. Ihre Mutter war ja bei den Höxters in „Stellung“ - im Haushalt. Wir spielten auch oft in Hagens Garten hinter der „Bolschenfabrik“. Dann warfen uns oft die Arbeiterinnen einen Klumpen Sahnebolschen durch das Oberlicht des Fensters.



Fritz Höxter 1932 in der Bahnhofstraße unweit seines Geburtshauses an der Ecke Saale /Bahnhofstraße (Schwertfeger)

Ab 1933 gingen wir auch zum Dienst des DJ – Deutsches Jungvolk – eine nationalsozialistische Vereinigung. Mit zunehmenden Jahren fingen wir an, die braunen Uniformen zu tragen, und eines Tages hieß es “Mit Juden spielt man nicht“. Wir gerieten dann sehr in Gewissensnot, doch mit zunehmendem Druck mußten wir uns beugen. Von einer Klassenkameradin weiß ich, daß Gertie Höxter mit ihrem Bruder in die Badeanstalt wollte zum Baden. Doch an der Außenmauer der Kabinen stand in großen Lettern:
„Für Juden verboten.“ Sie sind dann wieder umgekehrt.
In den 30 er Jahren ab 1935 wurde der DJ-Dienst immer weiter ausgedehnt. Wer in dieser Vereinigung war, brauchte sonnabends nicht mehr in die Schule zu gehen. Auch am Sonntag war DJ-Dienst. Damit sollte verhindert werden, daß man in die Kirche ging. In die Schule mußten die Nichtorganisierten (Adolf Helmer, Wilhelm Strube). Sie saßen dann an den Wochenenden mit Fritz Höxter zu dritt in der Klasse.
Doch wie schon geschrieben, eines Tages waren die Höxters verschwunden. Gemunkelt wurde ja, aber keiner wußte Genaues und reden durfte man ja auch nicht.
Eines Tages erhielt Adolf Helmer dann einen Kartengruß von Fritz Höxter aus Hamburg,
……., haben wir uns gesagt, schlimm kann es auch nicht sein.“

Anm: Bilder und Text wurden mir von Herrn Willi Wolter übermittelt.

Hinweis: Zwei Kartengrüße aus Hamburg werden noch heute von der Familie Helmer
verwahrt. Nichts dabei deutet auf Schwierigkeiten hin.

F3










Herr Werner Müller fand im November 2009 im Elzer Stadtarchiv folgende Dokumente:





Offenbar hatte sich die Familie Höxter im Jahre 1935 um die Ausreise bemüht.

F4






Einschub

"Zoll online > Wir über uns > Deutsches Zollmuseum > Ausstellung > Historische Abteilung > Nationalsozialismus

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Nationalsozialismus


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Zoll in der Diktatur
Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums 1933 schuf die Grundlage für die Versetzung oder Entlassung jüdischer und politisch andersdenkender Beamte. Ein großer Teil der Beamten der Reichszollverwaltung wurde im "Zollgrenzdienst" eingesetzt. 1937, zwei Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, waren Deutschlands Grenzen rund 8.000 Kilometer lang und wurden von mehr als 10.000 Zollbeamten überwacht.

Durch scharfe Kontrollen sollten vor allem die Ausreise von Personen ohne gültige Passpapiere und die illegale Mitnahme von Devisen ins Ausland verhindert werden. Insbesondere Juden, die sich zur Auswanderung gezwungen sahen, wurden an den Grenzen vom Zoll angehalten und rigoros durchsucht, um zu verhindern, dass sie materiellen Besitz und mehr als die erlaubten zehn Reichsmark ins Ausland mitnehmen.




Zwangsmaßnahmen gegen Juden


Die Vorschriften über die Reichsfluchtsteuer von 1931 boten den Nationalsozialisten ab 1933 die rechtliche Handhabe zur Ausplünderung jüdischer und anderer Emigranten. Auch die Finanzbehörden beteiligten sich an der "Arisierung", dem Prozess der wirtschaftlichen Verdrängung und Existenzvernichtung der Juden. Sie erhoben Reichsfluchtsteuer, Judenvermögensabgabe sowie hohe Abgaben auf das Umzugsgut von auswandernden Juden. Zollfahndung und Zollgrenzdienst wurden angewiesen, in Steuersteckbriefen ausgeschriebene "Steuerflüchtige", welche die Fluchtsteuer vor ihrer Ausreise nicht gezahlt hatten, festzunehmen. Steuern und strikte Devisenbestimmungen machten viele Juden so arm, dass es ihnen nicht mehr möglich war auszureisen. Am 23. Oktober 1941 wurde ihnen generell untersagt auszuwandern. 1933 lebten in Deutschland rund 525.000 Juden - annähernd der Hälfte gelang es, das Land rechtzeitig zu verlassen."

© Bundesministerium der Finanzen
Quelle: www.zoll.de
Stand: 20.08.2009

F5






Die folgenden Bilder zeigen die Lenhartzstraße 3 in Hamburg. Es handelte sich hierbei um eine Straße im Viertel der besser gestellten Juden. Das zeigt auch der Eingang des Hauses, der innen mit Marmor verkleidet ist.
Auf den auf die Nummer 3 hinweisenden Stolpersteinen ist der Name Höxter nicht vermerkt.



Die Internetseite Stolpersteine Hamburg (Stand Oktober 2009) zeigt aber:________________________________________


Stolpersteine am Andreasbrunnen
© Johann-Hinrich Möller
Annie Höxter (geborene Bos) * 1892
Beim Andreasbrunnen 2 (Hamburg-Nord, Eppendorf)
1941 Minsk
ermordet
Weitere Stolpersteine in Beim Andreasbrunnen 2:
Berthold Höxter, Jacoba Meyer, Ludwig Meyer

________________________________________

F6







Willi Wolter berichtete weiter:
„Margarete Grupe (Waßmann) erzählte mir, daß sie zu Besuch bei Verwandten war und dann mal ausgebüxt ist und die Höxters besucht hat. Sie sagte mir, daß die Höxters eine ganz normale Wohnung gehabt hätten. Über die wirtschaftliche Situation konnte sie keine Auskünfte geben. Sie war damals Kind und hatte für so etwas kein Auge. Doch auf der Karte von Fritz Höxter an Adolf Helmer soll nach dessen Auskunft gestanden haben, daß es den Höxters gut ginge und Fritz eine Schule besuchen würde. Fritz Höxter sagt auf Nachfrage am Telefon, sie hätten in schlechten Verhältnissen gelebt.
Elze haben sie wohl 1936/37 verlassen. Wo aber sind die Eltern geblieben?
Fritz wurde mit 13 Jahren von Hamburg nach Stockholm deportiert. Er musste auf dem Feld arbeiten.“




Diese Schule liegt unweit der Lenhartzstraße.




Ständiger Polizeischutz und hohe Eisenzäune scheinen nötig.

F7






Tochter Gertie (Gertrud) Höxter war 1952 noch einmal in Elze.




von links: August Fricke – Gertie Höxter – Mutter Waßmann – Oma Wintel - Margarete Grupe, geb. Waßmann, Sohn Willi Grupe

Sie wurde am 12.5.21 in Elze geboren. (SAE 84.II) Sie starb im Jahre 2006 in der Schweiz (so Willi Wolter)


F8





In der Übersicht des Standesamtes gibt es zur Familie Höxter zu Geburten, Eheschließungen, Todesfällen, außer der Geburt von Gertie, keine weiteren Angaben.


Ein Gedenkblatt für Annie und für Berthold Höxter als bleibendes Denkmal als Opfer des Holocaust befinden sich in der Halle der Namen in Yad Vashem, Jerusalem.


F9





Weitere Informationen finden sich unter StaH 522-1 992e 2 Bd. 2 (Staatsarchiv HH, Jüdische Gemeinden, Deportationslisten, Band 2)

Anni und Berthold Höxter wurden mit der Nummer 390 und 391 am 8.11.41 aus der Haynstr. 10 nach Minsk deportiert.

In Band1 des Buches der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg von Maria Koser/Sabine Brunotte Stolpersteine in Hamburg-Eppendorf und Hamburg-Hoheluft-Ost
Biographische Spurensuche
schreibt Herr Johannes Grossmann auf Seite 206,207:
"Berthold Höxter, geb. 4.6.1877 in Zimmersrode/Hessen-Nassau, am 8.11.1941 nach
Minsk deportiert
Annie Höxter, geb.Bos, geb. 7.7.1892 in Veendamm/Holland, am 8.11.1941 nach
Minsk deportiert
Beim Andreasbrunnen 2
Berthold Höxter war der Sohn von Moses Höxter und Karoline, geborene Speier. Bertholds Ehefrau Annie war die Tochter von Jacob Nathanael Bos und Helene, geborene Hirschel.
Bis Frühjahr 1936 lebten Höxters mit ihren Kindern Gertie (geb. 12. Mai 1921) und Fritz Norbert (geb. 31. März 1925) in Elze bei Hannover. Hier war Berthold bei der Firma Gebrüder Wolfes beschäftigt, die auf den Handel mit Getreide und Dünger spezialisiert war. Über viele Jahre arbeitete Berthold für diese Firma als Reisender, übernahm aber mehr und mehr auch Aufgaben in der Unternehmensleitung. Er war offenbar sehr tüchtig und galt, wie vom Bürgermeisteramt Elze offiziell bestätigt wurde, als ,,Seele des Unternehmens". Dennoch: Die rassistische Politik der Nationalsozialisten brachte Berthold Höxter um seinen Posten: Die Eigentümer der Firma, die Brüder Dagobert und Julius Wolfes, als Juden selbst unter Druck, entließen den Mann, der jahrelang so erfolgreich für sie gewirkt hatte, zum 1. April 1936. Er war nun 58 Jahre alt.
In der Hoffnung auf ein besseres Fortkommen zog die Familie in das scheinbar sicherere Hamburg, zunächst Beim Andreasbrunnen 2. Die Erwartungen wurden weitgehend enttäuscht, da Berthold Höxter keine neue Anstellung fand und ohne Einkünfte blieb.
Die Kinder konnten die begonnene Schullaufbahn nicht fortsetzen. Keine Schule nahm sie auf. Fritz kam auf die Talmud Tora Schule. Die 15-jährige Gertie, die zur Kreismittelschule in Gronau gegangen war und gern Zahnarzthelferin geworden wäre, musste auf die Mittlere Reife verzichten und sich mit dem Besuch der Jüdischen Haushaltungsschule in der Johnsallee begnügen.
Die Familie hielt sich mit einer Pension über Wasser, die die Mutter in der Lenhartzstraße 3 eröffnete, dann aber in die etwas geräumigere Curschmannstraße 2 verlegte. Fünf Zimmer, mit den Möbeln aus Elze komfortabel ausgestattet, wurden vermietet, die Familie lebte zusammen in einem Zimmer.
Eine Wohnsituation, die als Provisorium gedacht war: Den Kindern gelang es, im Februar 1939 mit einem der Kindertransporte nach England zu entkommen. Der 14-jährige Fritz fand eine Familie. Gertie, bei der Flucht 17 Jahre alt, schlug sich zunächst als ungelernte Näherin in einer Strumpffabrik durch. Sie heiratete und zog mit ihrem Ehemann Ende 1939/ Anfang 1940 über die Niederlande nach Schweden, wo sie sich in Stockholm niederließen. Der Bruder folgte nach. Die Eltern in Hamburg wurden bald Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik. Im März 1941 wurden sie gezwungen, Pension und Wohnung in der Curschmannstraße aufzugeben und in die Haynstraße 10, Erdgeschoss, zu ziehen. Hier blieben ihnen noch 8 Monate. Am 8. November 1941 wurden Berthold Höxter (Deportationsnummer 391) und Annie Höxter (Deportationsnummer 390) ins Getto Minsk verschleppt. Dieser erste Deportationszug reichsdeutscher Jüdinnen und Juden nach Minsk kam dort am 11. November an. Während der Zug noch unterwegs war, erschoss die SS 12000 weißrussische Jüdinnen und Juden, die in dem Getto eingepfercht gewesen waren, um Platz für neue Opfer aus dem Altreich zu schaffen.
Von den 968 Personen des Transportes wurden 952 ermordet. Zu ihnen zählten Annie und Berthold Höxter. -Johannes Grossmann

Quellen: 1;2;4;5;8; StaH 314-15 OFP, Fvg 3156; Stah 351-11 AfW, 3346; StaH 522-1, 992e2 Band 2; StaH 332-8 Meldewesen A 51 Höxter, Berthold; Adressbuch Hildesheim Stadt und Land, 1927, Elze."

Jürgen Huck führte hierzu im Juni 2011 berichtigend bzw. ergänzend an:
-seit 1932 war Julius Wolfes alleiniger Inhaber (Dagobert W. starb 1932)
-Höxters wohnten in Hamburg zunächst in der Lenhartzstr.
-auch Fritz besuchte die Kreismittelschule in Gronau

F10








Familie Julius Oppenheimer



- Julius Oppenheimer*, Viehhändler
, Hauptstraße 64
(1933 3 Familienmitglieder, D. Riesener)

Nach Frau Hanna Rothberger, Stettinerstr. 46 im Februar 2008:
„Im Laden von Tapeten-Müller war früher der Pferdestall. Oppenheimer verkaufte Pferdefleisch.
Jeden Sonnabend auf dem Hof, rechts am Haus hoch war der Holzaufgang. Viele Elzer kauften dort ihren Sonntagsbraten (billig und großzügig abgewogen und immer gab es einen Markknochen dazu) J.O., Frau und Tochter wohnten dort - bis sie auf einmal weg waren.
(Leute zivil, im schwarzen Auto - so wurde erzählt). Sohn war vorher nach Amerika.“

Im August 1933 erschien in der NP folgende Anzeige:
„Ich habe mit dem heutigen Tage die bisher von Herrn Julius Oppenheimer in Elze,
Hauptstr. 64, betriebene Schlachterei übernommen und werde dieselbe in bisheriger Weise fortführen. Ich bitte, das meinem Vorgänger erwiesene Vertrauen auch mir entgegenzubringen.
Ernst Ohlendorf
Tel.231 Hauptstr. 64"

G1





„ Erich Oppenheimer wurde 1938 nach dem Novemberpogrom verhaftet und in das Gerichtsgefängnis Alfeld überstellt. Als ehemaliger Frontkämpfer wurde er am 1.12.1938 „vorzeitig“ entlassen. (Siehe hierzu Dokumentation oben, Abschnitt B3))
Ella Oppenheimer und ihre Kinder Erich und Alice Oppenheimer, verheiratete Palmbaum, meldeten sich in den folgenden Monaten nach Hannover ab. Ella und Alice Oppenheimer wurden nach Riga deportiert. Nur Erich Oppenheimer überlebte und kehrte 1945 vorübergehend nach Elze zurück.“(D. Riesener)

Oppenheimers hatten Verwandte in Pattensen. Tatsächlich findet sich in der Aufstellung der Pattenser Juden, die am 15. Dezember 1941 von Hannover nach Riga deportiert wurden, folgender Hinweis:

„Oppenheimer Alice geb. 31.10.1899
ermordet in Riga“
(Quelle:Juden-in-Pattensen.de/content/internet/inhalte/09/01)

Nach der Übersicht des Standesamtes in Elze von 1954 wurde Margarete Elisabeth Allis Oppenheimer am 31.10.1899 als Tochter des Viehhändlers Julius Oppenheimer und dessen
Ehefrau Ella, geb. Frank, geboren.

G2





Im Stadtarchiv Elze befinden sich in 26 III Anträge auf Pässe, alle mit einem Lichtbild - bis auf folgenden:
„Paß Nr. 109
Name Palmbaum, geb. Oppenheimer
Vorname Alice
Staatsangehörigkeit Dt.Reich
Beruf: ohne Beruf
Geburtsort Elze/Hann
Geburtstag 31.Oktober 1899
Wohnort Elze Hauptstr. 64
Gestalt mittelgross
Gesicht oval
Farbe der Augen braun
Farbe des Haares kastan. braun
Besondere Kennzeichen nicht vorhanden
Geltungsbereich In und Ausland
Geltungsdauer: 6 Monate
Ausgestellt am 23.Oktober 1936
Huck“ (SAE 26 III)

G3





Im Heimatmuseum ist folgende Zeitzeugenaussage dokumentiert:
„Der Sohn Erich war mit einer Christin verheiratet, gegen den Willen seiner Eltern. Er hat den Krieg überlebt und ist danach noch mal in Elze zu Besuch gewesen. Er war zu Adolf Hitlers Zeiten geflüchtet.“

Im Landesarchiv Pattensen findet man unter Hann 174/Nr. 45 ein Schreiben vom 10. Januar 1939
von Bürgermeister Ludwig Huck:
„ Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde…

An
den Herrn Landrat
In Alfeld/Leine
Betr.: Judenkartei Verfg. V. 13.12.1938-TgB. I.
In der Zeit vom 1.10. bis 31.12.1938 sind folgende Veränderungen eingetreten:
Der Viehhändler Erich Oppenheimer, geb. am 29.1.98 zu Elze und seine Schwester, die geschiedene Alice Palmbaum, geb. Oppenheimer, geboren am 30.10.99 zu Elze, haben sich am 6.Dezember nach Hannover, Arndtstr. 37 polizeilich abgemeldet.
Huck“

Am 2. Februar 1939 – so ein Vermerk von Ludwig Huck – meldete sich auch Ella Oppenheimer, geb. 26.8.76 in Pattensen, nach Hannover, Arndtstraße 37 ab.

G4





Nur 20 Jahre vorher entstand folgendes Foto (Eigentum der Familie Wente)



Der untere Ausschnitt zeigt links Erich Oppenheimer:



(Gesichert durch die festgehaltenen Namen auf der Rückseite des Fotos.)
Nach Aussage von Wilfried Wente war Erich Oppenheimer im Krieg Pilot, wurde erst gegen Ende der Nazizeit verhaftet und dann in Holzen inhaftiert. Später übernahm er dann das Gut Düsterntal – angeblich als Entschädigung.

G5







Schriftlich berichtete Willi Wolter:
„Erich Oppenheimer:
A. Helmer erzählt: 1945 taucht im Laden von A. Helmer Erich Oppenheimer auf. Vater Helmer begrüßt ihn: “Mensch Erich, wo kommst du denn her? Der erklärt, als Entschädigung Gut Düsterntal erhalten zu haben. Dann verliert sich seine Spur, angeblich nach den USA ausgewandert.“



In der Festschrift 1100 Jahre Delligsen von Rektor A.Reuter aus dem Jahre 1950
liest man auf Seite 147 über das Gut Düsterntal:
„ Nach dem ersten Weltkrieg bewohnte Major von Hessing das Schloß, das Gut aber verpachtete derselbe an den Landwirt Daniels.
Während des letzten Krieges wurde in dem Schloß zunächst eine Bezirksführerinnenschule des Reichsarbeitsdienstes für die weibliche Jugend und anschließend ein Lazarett eingerichtet, das Gut aber führte ein Landwirt Stegmann.
Im Jahre 1945 übernahm Erich Oppenheimer die braunschweigische Domäne Düsterntal als Pächter, und man muß schon betonen, daß die Bedingungen und Umstände nach dem Zusammenbruch nicht die günstigen für solche Pachtung waren. Durch die langen und schweren Kriegsjahre befanden sich die Bodenverhältnisse und das Inventar in schlechtester Verfassung. Ebenfalls gestaltete sich die Personalfrage durch die einsame Lage und den Ausfall der polnischen Arbeitskräfte äußerst schwierig.
Durch unermüdliche Planung und größte Mühe erreichte der Sohn des Pächters, als Verwalter seines Vaters, dass das Gut heute in bestem Zustand ist. Ein anerkannt gutes Verhältnis verbindet Betriebsinhaber und Arbeiter, die größtenteils aus dem Osten stammen und hier eine neue Heimat gefunden haben.“
Zuvor wird auf Seite 140 ff von den künstlerischen Tätigkeiten von Rolf Oppenheimer berichtet: „Der junge Oppenheimer, Sohn und Mitarbeiter des Pächters der braunschweigischen Staatsdomäne Düsterntal, mit seinem ungewöhnlichen Basteltalent
und einem feinen künstlerischen Empfinden hat hier in einer Wohnstube des Gutshauses ein
Miniaturtheater geschaffen, das wohl als einzigartig in seiner Art bezeichnet werden kann….
Das Repertoire besteht aus 1400 Schallplatten, die die Aufführung von über dreißig Opern gestatten.“

Auf Anfrage bestätigt der Historiker Detlef Creydt am 14.5.2008:
„… bei meinen seinerzeitigen Recherchen zu der Zwangsarbeit im Landkreis Holzminden
stieß ich Anfang der 90er Jahre auf einen Mann aus Holzen, der in der Nähe des damaligen KZ gewohnt hat. Er berichtete mir, dass ein KZ-Häftling Kontakt mit ihm aufgenommen habe, der sich als Viehhändler aus einem Dorf hinter dem Hils zu erkennen gab. Dabei kann es sich nur um Oppenheimer gehandelt haben, der mit zu dem ersten Kommando gehörte und der nach dem Krieg die Domäne Düsterntal bewirtschaftet haben soll. Dies habe ich in dieser Form auch in meinem ersten Band zur Zwangsarbeit im Landkreis Holzminden veröffentlicht (S.141)….“

G6





Zum Stammbaum der Familie nach der Zusammenstellung des Standesamtes von 1954:

Julius verheiratet mit Ella Frank

Erich       Allis      verh. mit Dr. Palmbaum aus Hildesheim
*1898      *1899      *1898


Im Stadtarchiv Elze befindet sich das Protokoll-Buch zur Sitzung der Städtischen Kollegien der Stadt Elze. Auf Seite 213 ist protokolliert:
Elze, den 2. März 1939
(Huck, Hennies, Dörpmund, Gödeke, Heppner, Harries, Hüllenhagen, Kayser ,Tiedke)
„Verkauf des Oppenheimer Hauses Hauptstr.64
Über den Stand der Verkaufsverhandlungen wurde vom Bürgermeister berichtet. Einstimmig erklärten sich Gemeinderäte damit einverstanden, das Grundstück zu dem von der Regierung in Hildesheim festgesetzten Kaufpreis zu erwerben. Ebenso billigten Gemeinderäte es, die Räume im Erdgeschoß den Parteigliederungen gegen angemessene Miete zur Verfügung zu stellen. Der Kaufpreis soll soweit er bar zu bezahlen ist, dem Fond „Städtisches Vermögen“ entnommen werden.“

Am 5. Januar 1951 erschien unter „Stadt Elze“ wohl in der HAZ:

„ Das Oppenheimersche Grundstück, das bis vor einiger Zeit städtischer Bauhof war und im Zuge der Wiedergutmachung an den Eigentümer zurückgegeben worden ist, wurde jetzt von dem Vulkanisiermeister Huke erworben.“

Im Ausstellungskatalog „Abgeschoben in den Tod, Die Deportation von 1001 jüdischen Hannoveranerinnen und Hannoveranern am 15. Dezember 1941 nach Riga“ erschienen beim Verlag Hahnsche Buchhandlung Hannover, 2011, herausgegeben von Julia Berlit-Jackstien und Karljosef Kreter sind auch die Namen Oppenheimer, Palmbaum, Rosenstern und Kornberg verzeichnet.
Im Kapitel Namen und Schicksale auf Seite 324:

„Ella Oppenheimer
geb. Frank
geb. am 2.08.1876 in Pattensen
Arndtstr. 37
September 1941: Dieterichsstr. 28
Tag des Todes nicht bekannt“

und auf Seite 325:

„Alice Palmbaum
geb. Oppenheimer
geb. am 31.10.1899 in Elze
Arndtstr. 37
September 1941: Dieterichsstr. 28
Tag des Todes nicht bekannt“

Anmerkung: Es gab 15 „Judenhäuser“ in Hannover, darunter das in der Dieterichsstr.28 und das in der Herschelstr. 31.
Über 1200 Personen mussten am 3.September 1941 innerhalb von 24 Stunden in die „Judenhäuser“ umziehen.
„Jeder durfte nur das Notwendigste – ein Bett, etwas Wäsche und Kleidung und etwas Geschirr – mitnehmen.
Zu Judenhäusern waren frühere Einrichtungen der jüdischen Gemeinde oder Wohnhäuser aus jüdischem Besitz bestimmt worden. Auf etwa drei Quadratmetern pro Person lebten die Bewohner ohne Privatsphäre. Gestapo und SS erzeugten Angst und Schrecken durch ´Hausbesuche´ und brutale Misshandlungen der Männer.“
(aus: „Abgeschoben in den Tod“, a.a.O., S.32)


Aus Wikipedia, Geschichte der Juden in Hannover:

„…Die Vertreibung aus den Wohnungen bereitete die kurze Zeit später einsetzenden Deportation von Juden aus Deutschland vor. Ende 1941 und noch vor der Wannseekonferenz im Februar 1942 wurden viele in Hannover lebenden Juden in das vorgesehene Sammellager, der Israelitische Gartenbauschule Ahlem, verbracht. Von dort wurden am 15. Dezember 1941 1.001 Menschen zum Bahnhof Fischerhof in Linden abtransportiert und nach Gepäckkontrollen und Leibesvisitationen ins Ghetto Riga deportiert. Sechs weitere Transporte bis 1944 erfolgten von diesem Bahnhof aus in die KZ's und Ghettos in Auschwitz, Theresienstadt und Warschau. Ein achter Transport aus Hannover erfolgte 1945 von einem anderen Bahnhof. Insgesamt wurden von Hannover aus rund 2.400 Menschen aus der Stadt und dem südlichen Niedersachsen deportiert, von denen die wenigsten die Schoa überlebten. Vom ersten Transport 1941 mit 1.001 Personen ist bekannt, das 68 den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten….“

Aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 14.12.2011:

„Hannover gedenkt der nach Riga deportierten Juden“
:

„….Nur 69 der Deportierten überlebten den Holocaust, vier von ihnen kehren aus den USA nun noch einmal nach Hannover zurück. Für das Schicksal der nach Riga Deportierten habe sich lange kaum jemand interessiert, beklagt die jüdische Gemeinschaft.
Dabei war das Geschehen in Lettland an Unmenschlichkeit kaum zu überbieten: Die mit Fahndungslisten zusammengetriebenen Juden stellte die SS bei der Ankunft vor die Wahl, den Weg ins Ghetto zu Fuß oder per Lastwagen zurückzulegen. Wer den Lkw wählte, wurde sofort getötet. Im zuvor aus Platzmangel geräumten Ghetto stand das Essen der bisherigen Bewohner teils noch auf dem Tisch: 26 500 lettische Juden waren eilends erschossen worden. Barbarische Lebensumstände und Erschießungen brachten den meisten aus Hannover und zwölf anderen Städten eintreffenden Juden den Tod. Um das Gräuel vor anrückenden Sowjettruppen zu verbergen, mussten Häftlinge am Ende die Toten ausgraben und verbrennen…..“


G7





Familie Eduard Oppenheimer


"Schon vor dem 2. Weltkrieg zog eine Familie Oppenheimer aus der Hauptstraße,"..." Inhaber eines Manufakturwarengeschäftes, mit einer Tochter weg." (So Zeitzeugenaussage, dokumentiert im Heimatmuseum)
Jürgen Huck präzisiert: Der Wegzug fand schon vor dem 1.Weltkrieg statt.
Im Adreßbuch von 1927 finden sich zur Familie Eduard Oppnheimer keine Hinweise mehr.
Zu Eduard Oppenheimer siehe Artikel der NP vom 22.10.1911 im Abschnitt
Jüdischer Friedhof.
Die Firma "Ed.Oppenheimer" - wohl ein Manufakturwarengeschäft - kündigte in der Elzer Zeitung/N.P. vom 9.4.1913 einen
Total-Ausverkauf zu "billigen Schleuder-Preisen" wegen Aufgabe des Geschäfts an:

G8







Zum Stammbaum der Familie nach der Zusammenstellung des Standesamtes von 1954:

Joseph verh. mit Johanne Wolf

Eduard verheiratet mit Henriette Eichenberg
*1857
†1911

Anna Gertrud
*1888 †1891
†1888

Die Ausschnitte aus den Stammbäumen von Erich und Eduard Oppenheimer sind unvollständig,
ungeklärt ist auch ihr etwaiges Verwandtschaftsverhältnis.
Aus den Aufzeichnungen des Elzer Standesamtes lassen sich noch folgende - mit dem Namen Oppenheimer verbundene - Verwandtschaftsverhältnisse rekonstruieren:

Hermann verh. mit Emma Mannheim

Friedrich Artur Hugo Johannes Alfred
*1888 *1878 *1879 *1880 *1882
†1880

Ihr Schicksal ist unklar.

Ein Hirsch Oppenheimer hatte einen Sohn Salomon, geb.1817, gest. 1892, verh. mit Caroline, geb. Cohn.

Leser Oppenheimer (1839-1884) war mit Rosette, geb. Oberdorff, (1838-1913) verheiratet.

(Zusatz: Offenbar hatte Rosette einen Bruder David, der mit einer Henriette (1830-1880) verheiratet war)

Zu Hirsch und Leser Oppenheimer siehe auch die Arbeit von Frau Baumert über Gronauer Juden und Ruppert , a.a.O.) Nach Ruppert heiratete ein Leser Oppenheimer eine Jeanette Israel . Eines ihrer Kinder war Joseph O., geb. 1808, der eine Hanne Wolf (Wolfes?) heiratete. Aus dieser Ehe gingen – so Ruppert – Salomon (geb. 7.10.1846), Georgine
(geb.31.7.1848), Caroline (geb.2.5.1850), Ida (geb.7.11.1852), Sarina (geb.12.4.1855) und Eduard (geb.4.2.1857) hervor.

G9





Familie Ferdinand Philipp


Nach Zeitzeugenaussagen wohnten Philipps in dem Haus von Ringelings (Hauptstraße 14).
Herr Philipp war zuerst im Büro von Wolfes, danach bei der Hildesheimer Bank tätig.
Im Adreßbuch von 1927 sind sie nicht aufgeführt. Die Verbindungen zur Familie Wolfes
sind in deren Stammbaumauszug dokumentiert. (SAE.84.1I). Auch Ruppert führt bei den Eheschließungen der Familie Wolfes eine Familie Philipp (Hamburg) auf. (Ruppert,a.a.O.)

H1





Familie Rosenstern



Emil Rosenstern* , Viehhändler , Bahnhofstraße 2

Im Stadtarchiv Elze befindet sich in 26 III der Reisepass von Emil Rosenstern.
Ein weiterer Pass war dort nicht zu finden. Wahrscheinlich musste Emil Rosenstern ihn nach Ablauf der Gültigkeit abgeben.




I1





(1933 3 Familienmitglieder, D. Riesener)
„Die Familie Rosenstern verzog im Juni 1938 nach Hannover.“ (D.Riesener)


Bernd Gelderblom schrieb in „Die jüdische Gemeinde in Polle“:
„Emil Rosenstern wurde am 7. April 1867 in Polle geboren.
Er lebte in Elze und seit dem 30.Juni 1938 in Hannover. Seit dem Jahre 1941 musste er im 2.Judenhaus Ohestraße 9 und schließlich ab 13. Februar in Hannover-Ahlem wohnen.
Am 24.Juli 1942 wurde Emil Rosenstern aus Hannover-Ahlem in das Altersghetto Theresienstadt deportiert. Am 29. September 1942 wurde er im Alter von 75 Jahren aus Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und ist dort verschollen.“

D. Riesener berichtet, dass die Familie Rosenstern in Wiesmoor eingesperrt war und die Eheleute Rosenstern in Stutthof und Gross-Rosen starben.

I2





Berta Rosenstern schrieb am 3.3.1916 diese Zeilen an den späteren ehemaligen Ortsheimatpfleger Fritz Kleuker vor seiner Konfirmation:



Im Glück nicht jubeln,
Im Leid nicht klagen,
das Unvermeidliche mit Würde tragen

Zur frdl. Erinnerung
An deine Mitschülerin
Berta Rosenstern

I3





August Blinne aus Elze berichtete mir von einem zufälligen Treffen seines Schwiegervaters mit Emil Rosenstern in Hannover. Sein Schwiegervater räumte Bombenschutt weg, als er Emil Rosenstern am Straßenrand bemerkte: "Guten Tag, Herr Rosenstern." "Besser wir kennen uns nicht." war die Antwort.

Nach Auskunft von Fritz Kleuker (Februar 1988)- lebten noch Familienmitglieder in den USA.

I4





Nach „Die jüdische Gemeinde in Salzhemmendorf, (Gelderblom)“ lebte dort und später in Gronau Erich Rosenstern :
„Erich Rosenstern
wurde am 23.Dezember 1899 in Salzhemmendorf geboren. Er war von Beruf „Arbeiter“. Am 9.November 1938 zog er von Gronau nach Hannover. Dort lebte er schließlich im Judenhaus Herschelstraße (dort lebten „Mischehen“). Am 15.Dezember 1941 wurde er nach Riga verschleppt.
Erich Rosenstern soll am 22.Dezember 1944 in Groß-Rosen (bzw. Stutthof bzw. in Libau) ums Leben gekommen sein.“

I5





Beim ITS Arolsen fand ich die beiden folgenden Dokumente:





I6





Zum Stammbaum der Familie nach der Zusammenstellung des Standesamtes von 1954:
Die Auswertung ergab:

Bertha Rosenstern, geb. 1901 in Wallensen, heiratete 1928 in Elze den Kaufmann Walther Dannenberg, geb. 1899 in Markoldendorf.


Emilie Rosenstern, geb. 1898 in Salzhemmendorf, heiratete 1922 in Elze den Kaufmann Hermann Kornberg, geb. 1885 in
Ottenstein.

Bernd Gelderblom schreibt in " Die jüdische Gemeinde Ottenstein"auf seiner Internetseite:
" Hermann Kornberg wurde am 6. Februar 1885 in Ottenstein geboren. Er war verheiratet mit Emilie Kornberg, geb. Rosenstern (geb. 29. September 1898 in Salzhemmendorf). Von Ottenstein zogen die Eheleute nach Braunschweig. Dort kam die Tochter Ilse (geb. 15.Juni 1923) zur Welt. Seit dem 16. September 1937 wohnte die Familie in Hannover, seit 1941 im "Judenhaus" Lützowstraße 3.

Über Hannover-Ahlem wurde Hermann Kornberg mit Frau und Tochter am 15. Dezember 1941
in das Ghetto Riga deportiert. Sein Tod ist dort für den 28. Januar 1944 bezeugt. Emilie Kornberg wurde zusammen mit ihrer Tochter am 1.Mai 1945 vom schwedischen Roten Kreuz aus dem Arbeitserziehungslager Kiel-Hassee gerettet. Die beiden gingen anschließend in die USA."

I7





Die folgenden beim ITS gefundenen Dokumente belegen:




(ITS/T/D-342402)






I8






Ein Gedenkblatt für Erich Rosenstern als bleibendes Denkmal als Opfer des
Holocaust befindet sich in der Halle der Namen in Yad Vashem, Jerusalem.




Die Tochter Emil Rosensterns, geb. am 6.4.1867 in Polle, – Bertha Dannenberg lebt (e?) in Beverly Hills und sagte aus, dass ihr Vater im Lager Malz-Trostinec/Auschwitz am 29.9.1942 von den Nazis ermordet wurde.

Nach The Central Database of Shoah Victims`Names, Yad Vashem
wurde Emil Rosenstern mit dem Transport VIII/1 (vgl. L.Cohnhoff) am 24.7.1942 von Hannover nach Terezin und am 29.9.1942 nach Treblinka deportiert.

I9





Ein Gedenkblatt für Frieda Rosenstern,geb.Abt, geb. 1905, als bleibendes Denkmal als Opfer des Holocaust befindet sich in der Halle der Namen in Yad Vashem, Jerusalem.



Ernest B. Rowen, damals wohnhaft in Van Nuys, Californien, war der Sohn von Erich Rosenstern, geboren am 23.12.1899 in Salzhemmendorf. Dieser war Sohn von Helene und Emil Rosenstern und lebte während des Krieges im Ghetto in Riga und starb am 22.12.1944 während eines Luftangriffes.

Anm: Van Nuys ist ein Teil von Los Angeles, Beverly Hills und ist von Los Angeles umgeben.

I10





Frau Weinmeister (Stadtarchiv Gronau) ergänzte im Januar 2010:
Erich Rosenstern, geb. 23.12.1899 in Salzhemmendorf zog am 6.1.1927 aus Elze nach Gronau und von dort am 9.11.1938 nach Hannover. Er war verheiratet mit Frieda (Friedel?) Rosenstern, geb. Abt, geb. am 1.6.1905 in Eldagsen.
Sie hatten 2 Kinder:
Edgar Rosenstern, geb. am 27.9.1928 in Gronau und dort 2 Tage später verstorben
und
Ernst Bernard Rosenstern, geb. am 6.5.1930 in Hannover. Von ihm stammen offenbar oben angeführte Dokumente in Yad Vashem, unterzeichnet mit Ernest B. Rowen
Nach „Spuren jüdischen Lebens in Gronau,Teil III; Stadtbeiträge Jahrgang 1996
wohnten Rosensterns in der Minister Göringstr. 131 zusammen mit den Juden Albert (Schlachtermeister) und Mally Heine und Schlachter Alfred Levy. Erichs Beruf war Viehhändler, Ernst wird in der Judenkartei von 1938 als Schüler geführt.
Anmerkung: Die Minister Göringstr. 131 ist heute die Blankestr. 40.

Im Ausstellungskatalog „Abgeschoben in den Tod, Die Deportation von 1001 jüdischen Hannoveranerinnen und Hannoveranern am 15. Dezember 1941 nach Riga“ erschienen beim Verlag Hahnsche Buchhandlung Hannover, 2011, herausgegeben von Julia Berlit-Jackstien und Karljosef Kreter sind auch die Namen Oppenheimer, Palmbaum, Rosenstern und Kornberg verzeichnet.

Im Kapitel Namen und Schicksale werden auf Seite 329 die Schicksale von Erich, Ernst und Frieda Rosenstern, auf Seite 313 von Emilie (geb. Rosenstern) und Hermann, Emil und Ida Kornberg(geb. Lilienstern) und auf Seite 321 von Ilse Meyer, geb. Kornberg kurz aufgeführt:

„Erich Rosenstern
geb. am 23.12.1899 in Salzhemmendorf
Herschelstr. 31
September 1941: Herschelstr. 31
Am 22.12.1944 in Libau/Lettland
umgekommen.

Ernst Rosenstern
geb. am 06.05.1930 in Hannover
Herschelstr. 31
September 1941: Herschelstr. 31
Überlebender

Frieda Rosenstern
geb. Abt
geb. am 01.06.1905 in Eldagsen
Herschelstr.31
September 1941: Herschelstr. 31
Seit Oktober 1944 im KZ Stutthof.
Tag des Todes nicht bekannt."..




"Emilie Kornberg
geb. Rosenstern
geb. am 29.09.1898 in Salzhemmendorf
Bödekerstr.34
September 1941: Lützowstr. 3
Überlebende
"

Auch Emil Kornberg (geb. am 15.09.1882 in Holzminden) und Hermann Kornberg (geb. am 06.02.1885 in Ottenstein) sowie Ida Kornberg, geb. Lilenstern, geb. am 17.05.1884 in Knesebeck wohnten in der Bödeckerstr. 34, ab September 1941 in der Lützowstr. 3.
Sie alle wurden am 15.12.1941 nach Riga deportiert.
Ihre Todestage sind unbekannt.

Anmerkung: Für die Abholung aus den Judenhäusern gab es Deportationslisten. In der Liste für die Lützowstr.3 wird
auf Seite 19 (von 31) unter Nummer 493 auch
Ilse-Sara Kornberg, geboren am 15.6.1923 in Braunschweig aufgeführt. (s.o.)

Auf Seite 321 des Ausstellungskatalogs wird ermerkt:
"Ilse Meyer
geb. Kornberg
geb. am 15.06.1923 in Braunschweig
Bödekerstr.34
September 1941: Lützowstr.3
Überlebende
"




Anmerkung: Es gab 15 „Judenhäuser“ in Hannover, darunter das in der Dieterichsstr.28 und das in der Herschelstr. 31.
Über 1200 Personen mussten am 3.September 1941 innerhalb von 24 Stunden in die „Judenhäuser“ umziehen.
„Jeder durfte nur das Notwendigste – ein Bett, etwas Wäsche und Kleidung und etwas Geschirr – mitnehmen.
Zu Judenhäusern waren frühere Einrichtungen der jüdischen Gemeinde oder Wohnhäuser aus jüdischem Besitz bestimmt worden. Auf etwa drei Quadratmetern pro Person lebten die Bewohner ohne Privatsphäre. Gestapo und SS erzeugten Angst und Schrecken durch ´Hausbesuche´und brutale Misshandlungen der Männer.“
(aus: „Abgeschoben in den Tod“, a.a.O., S.32)
Aus Wikipedia, Geschichte der Juden in Hannover:

„…Die Vertreibung aus den Wohnungen bereitete die kurze Zeit später einsetzenden Deportation von Juden aus Deutschland vor. Ende 1941 und noch vor der Wannseekonferenz im Februar 1942 wurden viele in Hannover lebenden Juden in das vorgesehene Sammellager, der Israelitische Gartenbauschule Ahlem, verbracht. Von dort wurden am 15. Dezember 1941 1.001 Menschen zum Bahnhof Fischerhof in Linden abtransportiert und nach Gepäckkontrollen und Leibesvisitationen ins Ghetto Riga deportiert. Sechs weitere Transporte bis 1944 erfolgten von diesem Bahnhof aus in die KZ's und Ghettos in Auschwitz, Theresienstadt und Warschau. Ein achter Transport aus Hannover erfolgte 1945 von einem anderen Bahnhof. Insgesamt wurden von Hannover aus rund 2.400 Menschen aus der Stadt und dem südlichen Niedersachsen deportiert, von denen die wenigsten die Schoa überlebten. Vom ersten Transport 1941 mit 1.001 Personen ist bekannt, das 68 den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten….“

Aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 14.12.2011:
„Hannover gedenkt der nach Riga deportierten Juden“
:

„….Nur 69 der Deportierten überlebten den Holocaust, vier von ihnen kehren aus den USA nun noch einmal nach Hannover zurück. Für das Schicksal der nach Riga Deportierten habe sich lange kaum jemand interessiert, beklagt die jüdische Gemeinschaft.
Dabei war das Geschehen in Lettland an Unmenschlichkeit kaum zu überbieten: Die mit Fahndungslisten zusammengetriebenen Juden stellte die SS bei der Ankunft vor die Wahl, den Weg ins Ghetto zu Fuß oder per Lastwagen zurückzulegen. Wer den Lkw wählte, wurde sofort getötet. Im zuvor aus Platzmangel geräumten Ghetto stand das Essen der bisherigen Bewohner teils noch auf dem Tisch: 26 500 lettische Juden waren eilends erschossen worden. Barbarische Lebensumstände und Erschießungen brachten den meisten aus Hannover und zwölf anderen Städten eintreffenden Juden den Tod. Um das Gräuel vor anrückenden Sowjettruppen zu verbergen, mussten Häftlinge am Ende die Toten ausgraben und verbrennen…..“

David Schalit



Dieser Name ist mir erst durch einen freundlichen Hinweis von Herrn Kotschka, Trier
(visual concepts medienproduktion)
bekannt geworden.


Die Shoah Foundation wurde 1994 auf Initiative des Regisseurs Steven Spielberg gegründet. Sie ist eine gemeinnützige Organisation in den USA, die weltweit und in großem Umfang Schilderungen von Überlebenden des Holocaust auf Video aufnahm, um sie nachfolgenden Generationen als Unterrichts- und Ausbildungsmaterial zugänglich zu machen.
Heute stellt das Shoah Foundation Institute, University of Southern California diese Interviews
zur Verfügung.

Für den Geburtsort Elze ergibt die Suche bei diesem Institut ein Interview, das von David Schalit.

Die Interviewten wurden vor dem Video generell mit den gleichen Fragen konfrontiert.
Demnach wurde David Schalit am 30.8.1910 in Elze (Alfeld,Hannover,Preußen,Deutschland) geboren.

Er floh und lebte unter falscher Identität, versteckt auf Bauernhöfen, bei Tarnopol (Polen), Woiwodschaft Wolczkowce.
Dort wurde er von der Sowjetarmee befreit und war anschließend in einem Displaced Persons Lager.






Ein Nachruf


"SCHALIT, David David Schalit, 96, of West Hartford and Brooklyn, NY, died on Sunday, (June 3, 2007). He was the widower of Yetta Schalit. He was born in Poland. He and his niece, Lea Feuerstein Selig were the only survivors of their family. He leaves behind his niece, Lea Feuerstein Selig, her husband, Bernie, their children Jeffrey and Nancy Selig with Gillian and Nathan, and Stephanie and Schuyler Carroll with Alec and Craig. He is also survived by his stepson, James Korda and his wife Rose, also Holocaust survivors, their daughter, Brigitte and Andrew August and their children, Michelle, Zachary and Joshua. He will be buried next to his wife at a graveside service in Elmont, NY. Donations in David's memory may be made to a charity of the donor's choice. Arrangements entrusted to Weinstein Mortuary, Hartford.
Published in The Hartford Courant on June 5, 2007 "

Eigene Übersetzung
..David Schalit, 96, aus West Hartford und Brooklyn, NY, starb Sonntag (3.Juni 2007).
Er war Witwer von Yetta Schalit. Er wurde in Polen geboren. Er hinterlässt seine Nichte, Lea Feuerstein Selig, ihren Ehemann Bernie, ihre Kinder Jeffrey und Nancy Selig mit Gillian und Nathan und Stephanie Schuyler Caroll mit Alec und Craig. Er wird auch von seinem Stiefsohn James Korda und dessen Frau Rose, ebenfalls Überlebende des Holocaust, ihrer Tochter Brigitte und Andrew August und ihren Kindern Michelle, Zachary und Joshua überlebt. Er wird neben seiner Frau in Elmont, NY begraben werden. Zuwendungen zum Gedenken an David können an eine Wohltätigkeitsorganisation nach Wahl des Spenders gemacht werden. Gestecke können der Leichenhalle Weinstein, Hartford anvertraut werden.
Veröffentlicht im Hartford Courant am 5.Juni 2007

Nachforschungen in Elze zum Namen Schalit sind bisher ergebnislos gewesen.




I11






Moritz Stern - Hedwig Stern - Moses Stern



- Moritz Stern*, Fellhändler , Neue Straße 11

(Schlachtete, so Zeitungsartikel von W. Grupe) schächtete in deren Schlachterei in der Mühlenstraße für seine jüdischen Mitbürger.
Im Heimatmuseum nach mündlicher Überlieferung festgehalten:
„- hat mit Ziegenfellen gehandelt
- er war sehr arm
- ist in Elze gestorben“ ---



Das Bild ist ein Ausschnitt einer Abbildung der alten Schlachterei Tappe,
später Grupe (Zippel Grupe) in der Mühlenstraße. Nach Auskunft von Jürgen Huck handelt es sich um Salomon Stern, der - so Jürgen Huck- am 27.8.1884 im Alter von 68 Jahren verstarb. Vater von diesem Salomon war David Stern d.Ä..

J1






„Hedwig Stern, geboren 1895 in Elze, wurde in Auschwitz ermordet.“ (D. Riesener)

Im Gedenkbuch - Opfer der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 - 1945 ist vermerkt:

Stern, Hedwig
*03.März 1885 in Elze (1895?,J.S.)
wohnhaft in Elze

Deportation:
1942, Auschwitz, Vernichtungslager

Todesdaten:
für tot erklärt
Hedwig Stern war -so Jürgen Huck- Tochter des Lohgerbers Siegmund Stern (1859-1933)

Zu Hedwig Stern vergleiche auch Anmerkungen zu Familie Wolfes, Gronau.

J2





Von einem Moses Stern berichtet Martin Stöber in "Elze 1824 bis 1913, Einblicke in die Stadtgeschichte" auf Seite 172:
„Etwa zur selben Zeit wie am Höhenrücken von Sonnen- und Teufelsberg begann nach den vorliegenden Informationen die gewerbliche Ausbeutung eines Vorkommens an der Kendelke. Dort besaß die Kämmerei knapp 22 Morgen Forstgrund, den die Stadtoberen 1863 zum Zweck der Anlage von Kalksteinbrüchen und Brennöfen für 25 Jahre zu verpachten beschlossen. Den Zuschlag erhielten mit H. Haarstick, M. Stern und F. Brandes drei Elzer, die mit ihrem neuen Unternehmen nicht glücklich wurden. Der Kendelkekalk erwies sich nicht nur in gebrannter Form, sondern auch als Straßenbaustein als eine Ware von minderer Qualität. Auf dem Markt für Kalk konnte man ihn schon aufgrund der herrschenden großen Konkurrenz nicht absetzen; als Chausseeschlagstein war er derart schlecht und durch die Abgelegenheit der Kendelke mit so hohen Straßentransportkosten belastet, dass er einschließlich Brecherlohn und Bruchzins schon wesentlich teurer hergestellt wurde, als er überhaupt zu verkaufen war. Haarstick und Brandes sahen bereits im ersten Jahr keine wirtschaftliche Chance für ihren Betrieb mehr und traten zurück. So führte Moses Stern das Unternehmen bis 1868 allein weiter, blieb auf seinem Kalk sitzen oder wurde von seinen „begeisterten“ Kunden nach Empfang dieses Produktes postwendend in Prozesse „verwickelt“. 1865 gab er die Brennerei auf, zahlte noch bis 1866 Pacht, machte Bankrott und verschwand nach Amerika.“
(zit. M. Stöber, S.172, Quelle: SAE VII B 6)

Jürgen Huck ergänzt: Moses Stern * Mehle um 1821
(Eltern: Markus Stern Elze 1870 und Johanne geb.Sollinger, † Elze 1869)

Aus dem öffentlichen Anzeiger zum Amtsblatt für Hannover vom 15.Mai 1868 :

„Gegen den Kaufmann, zuletzt Kalkfabrikanten M. (Moses) Stern aus Elze, wird damit auf Antrag der Kronanwaltschaft des Königlichen Obergerichts Hildesheim wegen Verdachts mehrerer Unterschlagungen und heimlicher Entfernung von seinem Wohnorte, unter Hinterlassung eines überschuldeten Vermögens, die Untersuchungshaft aus § 226 des Strafgesetzbuches wegen wahrscheinlicher Unterschlagung von Feuerversicherungs- wie Krankenkassengeldern auf Grund des §109 der Strafproceß-Ordnung wegen zu besorgender Flucht oder Verheimlichung seines Aufenthalts, wie in Rücksicht auf die zu erwartende Strafe, erkannt.
Dieser Haftbefehl wird als Steckbrief mit dem Bemerken veröffentlicht, dass der ? M.Stern dem Vernehmen nach über Belgien oder Holland nach Amerika entwichen sein soll und um Zuführung desselben in das Gefängnis des hiesigen Amtsgerichts ersucht. Ungefähre Kennzeichnung des Moses Stern (Photographie desselben ist nicht mehr aufzufinden gewesen): Alter: an 46 Jahre etwa; Statur: Kräftig, untersetzt und wohlgebildet; Größe:
mittlerer, angeblich unter sechs Fuß; Haar: schwarz-bläulich; Augen: dunkel, angeblich braun; Nase: Adlernase, mehr römischer als griechischer Art und dick; Mund: ziemlich groß mit starken Lippen und anscheinend guten Zähnen, angeblich; Gesichtsfarbe: bräunlich-gelblich, aber gesund; Gesichtsform: länglich, oval; Sprache: deutsche, kräftig, tief. Religion: jüdische, angeblich freierer Richtung.
Besondere Kennzeichen: das Äußere desselben macht den Eindruck eines arabischen Häuptlings mit Ausnahme seiner Beleibtheit, wodurch er zur äußeren Erscheinung eines Pascha hinneigt.
Elze, den 5. Mai 1868
Königlich Preußisches Amtsgericht, Abteilung I.“




Auf einem Gruppenfoto des Männer Gesangvereins Elze um 1860 (Elzer Heimatmuseum) ist ein Sigmund Stern eindeutig identifizierbar:




Auf der weiteren Namensangabe ist auch ein Oppenheimer aufgeführt. Der Elzer Männer Gesangverein war immer ein sich elitär gebender Verein, hier konnte nicht jeder Mitglied werden. Die Namen vieler alter Elzer Familien sind hier aufgeführt.
Es muss offenbleiben, ob die genannten Stern und Oppenheimer Mitglieder der
jüdischen Familien waren.

Zum Stammbaum der Familie (n?) Stern nach der Zusammenstellung des Standesamtes von 1954:

Jacob, verh. mit Marianne, geb. Ruben David, verh. mit Marianne, geb. Wetterhahn

Salomon, verh. mit Emilie, geb. Gutmann Salomon Friederike
*1839 *1834 *1816 *1813
†1889 †1898 †1884 †1888

Minna Bertha
*1877 *1868
†1923 †1914
-----------------------------------------
Siegmund, verh. mit Ida, geb. Tobias
*1870
†1896

Hedwig
*1895
-----------------------------------------
Johanne Stern, geb. Jacobsohn starb 1908 im Alter von 83 Jahren.
Die ledige Minna Stern starb 1923 im Alter von 46 Jahren.
Johanne und Minna ergänzen wahrscheinlich den rechten oberen Stammbaum.

Jürgen Huck ergänzt: Johanne Stern,geb. Jacobsohn heiratete am 6.6.1855 in Mehle den Lohgerber David Stern
(*um 1828,†Elze 9.7.1889).

Der Schützenclub Elze hat auf seiner Internetseite sämtliche Schützenkönige des Vereins aufgeführt.
Für das Jahr 1901 ist der Name Siegmund Stern vermerkt.

Am 10.8.1933 erschien die Todesanzeige für Siegmund Stern in der NP
Adressen: Hannover (Linden) , Magnusstraße 2
Leiden (Holland)
Trauernde: Hedwig Stern
Fritz Stern u. Frau und Söhnchen
Beerdigung am Donnerstag 2 3/4 Uhr in Bothfeld

Übernahmen Rosensterns das Haus einer Familie Stern?
Gab es 2 Familien Stern, zumindest an 2 Wohnorten?
Jürgen Huck merkt dazu an:
"Emil Rosenstern übernahm das Haus Bahnhofstr.2 von Siegmund Stern. In Elze gab es zeitweise mehrere Familien Stern."
Eine Hedwig Stern heiratete David Wolfes, geboren in Gronau:

Ein Gedenkblatt für David Wolfes als bleibendes Denkmal als Opfer des
Holocaust befindet sich in der Halle der Namen in Yad Vashem, Jerusalem.
Unklar ist ob der in Gronau geborene David Wolfes mit den Elzer Wolfes verwandt ist und ob seine Frau die in Elze geborene Hedwig Stern ist, zumal diese als Hedwig Stern und nicht als Hedwig Wolfes unter den Opfern des Holocaust verzeichnet ist.
Jürgen Huck:" Die Hedwig Stern, die David Wolfes heiratete, stammt offenbar nicht aus Elze, ist jedenfalls nicht identisch mit Siegmund Sterns Tochter Hedwig (*1895)." Und weiter:"In Gronau gab es eine Firma H.Wolfes vom 25.6.1874 - 30.8.1914. Die Bezeichnung H.Wolfes deutet auf des Elzer Bankiers Philipp Wolfes ältesten Sohn Hermann
(†Elze 20.4.1858). Im Handelregister war des Hermanns Bruder David (*Elze 28.7.1859) als Inhaber eingetragen worden.
Dieser David könnte durchaus mit einer Hedwig Stern (Herkunft unbekannt) verheiratet gewesen sein."......

Der Versuch einer schriftlichen Kontaktaufnahme mit der Unterzeichnerin des Gedenkblattes scheiterte im November 2009: Return to sender, moved

















J3





Familie Wolfes


„ Die Leitung der neuen Synagogengemeinde Elze übernahm für nahezu 50 Jahre der Materialwarenhändler Samuel Wolfes. Er war auch der Mohel (Fachmann für Beschneidungen, J.S.) der Gemeinde. Von 1903 bis 1933 war sein Sohn Dagobert Wolfes Vorsteher der Gemeinde Elze.“…
„In der Gemeinde bestand eine Armenunterstützungskasse. Dann richtete Samuel Wolfes um 1900 eine Stiftung für Arme ein, insbesondere für arme Wöchnerinnen. Die Samuel-Wolfes-Stiftung verfügte über ein Vermögen von 5000 Mark (1909); im Kuratorium saßen Dagobert Wolfes, der Landesrabbiner Dr. Lewinsky und der Rechtsanwalt Oppenheimer in Hildesheim.“ (Dirk Riesener)

Aus dem Adreßbuch für die Stadt Elze:
Dagobert Wolfes*, Getreidegeschäft , Hauptstraße 68
Jürgen Huck vermerkt hierzu: Alleiniger Inhaber des Getreidegeschäftes war seit 1912 der in Hildesheim wohnende Bruder
Dagoberts Julius Wolfes (†1936).

K1






„Durch landesherrliche Verordnung von 1823 wurde die Synagogengemeinde Oldendorf gebildet, der die Juden in Großenwieden, Deckbergen, Hattendorf und Fischbeck angeschlossen waren. Zunächst befand sich ihr Bethaus in einem Hinterhof, später wurde ein Betraum in einem christlichen Wohnhaus angemietet. Die ersten Gemeindeältesten waren Nathan Peritz Lilienfeld, Aron Meyer Levi (Fischbeck), Joseph Rosenberg sowie Hermann Wolfes aus Elze, der Schwiegersohn von Lilienfeld. Lilienfeld selbst war von 1833 bis zu seinem Tod 1862 Vorsteher der Kreisjudenschaft.“ (B.Gelderblom)
Anm: Gemeint ist hier nicht Oldendorf bei Elze sondern Hessisch Oldendorf.




Nach im Heimatmuseum dokumentierter Zeitzeugenaussage:
Gebrüder Wolfes hatten einen Düngerhandel und einen „Kornschuppen“. “ Julius Wolfes zog später nach Hildesheim auf die Zingel, war verheiratet und Banquier. Dagobert hatte den Kornschuppen am Güterbahnhof. War sehr beliebt und humorvoll, wohnte später in der
Etage über Wulfs Laden in der Hauptstraße. Seine Haushälterin war Fräulein Friedheim. Er starb 1932.“
In der Aufstellung des Standesamtes ist sein Tod nicht vermerkt.

K2





Auf Anfrage erhielt ich am 11.6.2009 folgende Mail des Stadtarchivs Hildesheim:

..."
in den hier verwahrten Meldeakten der Stadt Hildesheim (Best. 102 Nr. 7427, Zeitraum: 1874-1945) konnte ich folgende Angaben ermitteln: Herr Julius Wolfes wurde am 26.06.1862 in Elze Kreis Gronau geboren. Von Beruf war er Getreidehändler. Er heiratete am 11.03.1891 Anna Menke, geboren am 11.04.1868 in Münster, gestorben am 07.11.1913 in Elze. Herr Wolfes meldete sich am 09.09.1903 in Hildesheim in der Goethestr. 7 an.
Nach dem Tode seiner ersten Frau heiratete er am 14.03.1919 Henny Erda, geboren am 21.05.1881 in Detmold. Kinder sind nicht verzeichnet. Die weiterführende Meldekarte ist nicht vorhanden. Das Melderegister der Stadt wurde 1945 durch Luftangriffe vernichtet. Die teilweise erhalten gebliebenen und hier archivierten Meldeakten können das verloren gegangene Melderegister leider nicht vollständig ersetzen. Laut dem Artikel von Dr. von Jan „Die Katastrophe der Hildesheimer Juden 1938-1988“ in Alt Hildesheim, Bd. 59, soll Herr Julius Wolfes in der Zeit nach 1933 in Hildesheim verstorben sein. Zu dieser Zeit soll auch das Geschäft in Elze, die Bank-und Getreidefirma Wolfes, erloschen sein. „Frau Wolfes hat sich mit Ihrer Schwester, einer Witwe des Regierungs- und Baurats Rosenfeld, irgendwie gerettet und ist später in einem jüdischen Altersheim in Hannover gestorben.“ (Zitat Helmut von Jan).

Julius und Anna hatten eine Tochter. Lotte Wolfes wurde am 09.02.1894 in Hamburg geboren. Sie heiratete hier am 03.08.1914 Dr. Walter Gordon, geboren am 26.09.1884 in Rybnik. Kinder waren Johann Ruprecht, geboren am 27.04.1916 in Hildesheim, und Hans, geboren am 19.08.1919 in Hildesheim. Laut einer Zeugenaussage soll die Familie bis April 1939 Zingel 24 gewohnt haben und danach nach England ausgewandert sein. Im Adressbuch der Stadt Hildesheim ist die Familie nicht mehr verzeichnet.
Als Eltern sind angegeben: Von Julius Wolfes Kaufmann Samuel Wolfes und Rosa geborene Elkan in Elze, für Anna Menke Lotterieeinnehmer Julius Menke und Johanna geborene Lilienfeld in Münster.

Weitere Angaben sind nicht vorhanden."....
Jürgen Huck nennt als Todesjahr von Julius Wolfes das Jahr 1936.

K3






Das königl. Amtsgericht in Elze zeigt am 27. Dezember 1899 in der
Gronauer Zeitung
an:
" In unser Handelsregister ist zur Firma
Gebrüder Wolfes in Elze
heute eingetragen:
Die Gesellschafter Hermann und
David Wolfes scheiden am 31.
Dezember 1899 aus. Der Kaufmann
Dagobert Wolfes tritt am 1.
Januar als persönlich haftender
Gesellschafter in die Gesellschaft ein.
Seine Prokura erlischt am 31. Dezem-
ber 1899.
Die Firma bleibt unverändert."



Friedrich Dreyer fand bei seinen Recherchen folgende Zeitungsartikel





Im Reichsbank-Girokonten-Verzeichnis vom 31.12.1933 ist unter Hildesheim verzeichnet:

"Wolfes, Gebr. - G. m. b. H.
(Getreide, Kunstdünger und
Futtermittel), Elze (Kr. Gronau)."



Im Oktober 1919 verkaufte Walter Holländer als Bevollmächtigter des Aacheners Abraham Holländer einen Teil des Geländes der "Waggonfabrik Heine u. Holländer G.m.b.H." an die Firma Neumann und Stutz. Auf dem zum Kaufvertrag gehörenden Lageplan ist nicht nur ein Grundstück mit dem Hinweis "Hildesheimer Bank" verzeichnet. Es wird auch ein Gleis mit der Bezeichnung "Gleis nach Wolfes Schuppen" dargestellt. Die Hildesheimer Bank (ehem. Gebr. Wolfes) befand sich im jetzigen Hause Bahnhofstr.54. (Oelkers)


August Blinne meint, dass nach dem Tod von Dagobert Wolfes 1932 die LBAG – Vorläufer der Raiffeisen Nordstemmen- „ Wolfes Schuppen“ kaufte.

K4





Am 10.9.1911 berichtete die Niedersächsische Post, dass der "Mühlenbesitzer Jenner-Saalemühle" die Leinemühle bei Alfeld gepachtet hat. "Die Mühle gehört bekanntlich der Firma Gebr. Wolfes in Elze."
Am 14.8.1912 berichtet die Elzer Zeitung/Niedersächsische Post: "Um 3 Uhr heute früh entstand in der früher Strobell´schen Mühle in Alfeld ein Brand, der dieselbe vollständig einäscherte. Die Sache hat insofern ein lokales Interesse, als der Besitzer der Bankier Dagobert Wolfes in Elze ist und der Pächter der Mühlenbesitzer Jenner in Saalemühle bei Elze. Die Alfelder Leinemühle ist mit 120 000 Mk. bei der Magdeburger Feuerversicherung versichert."

Am 16.8.1912 ergänzt die Zeitung: "Die Leinemühle, die zu Strobells Lebzeiten mit 500 000 Mk. zu Buche stand, ging vor kurzem aus der Strobellschen Liquidationsmasse für den Preis von 101 000 Mk. in den Besitz des Bankiers Dagobert Wolfes in Elze über, der die Anlage an den Mühlenbesitzer Jenner verpachtete. Die Gebäude mit Inventar sind mit 119 000Mk. bei der Magdeburger Feuerversicherungsgesellschaft versichert. Die Mühle soll, wie wir hören, wieder aufgebaut werden."
(Im November 1912 geht der Inhaber der Saalemühle Johannes Jenner in Konkurs. 1924 besitzt Georg Fiedler die Saalemühle.)
Am 11.12.1912 berichtete die Zeitung: "Die Bürgervorsteherwahl beschäftigte am Sonntag die Bürgerversammlung des dritten Stadtbezirks, in der auch der Bürgervorsteher Dr. Nöller anwesend war. Die Versammlung wählte einstimmig als Kandidaten die bisherigen Bürgervorsteher Sanitätsrat Dr. Nöller und Bankier Dagobert Wolfes."

Auch 1912 konnten Juden also anerkannte Elzer Bürger sein.

K5






Aus einem Briefwechsel in der Nachkriegszeit (Quelle soll hier nicht genannt werden):
Nach dem 2.Weltkrieg erließ die Militärregierung die Allgemeine Verfügung Nr.10 zur Anmeldung ehemaligen Judenvermögens.
Im Zuge dessen kam es zu einer „Rückerstattungssache Wolfes“ für ein Gartengrundstück in der Bahnhofsstraße. Die Größe betrug 884 m².
Der mehrfach schon genannte Rechtsanwalt T. verdiente nun wieder an „Judensachen“, nach dem „Verkauf“ nun bei der Entschädigung.
Die Fa. Gebr. Wolfes, Hannover, hatte als frühere Eigentümerin des Grundstücks beim Niedersächsischen Landesamt für die Beaufsichtigung gesperrten Vermögens, Bezirksamt Hildesheim, einen Antrag auf Rückerstattung gestellt. (Gesetzliche Grundlage: Art.39 zum Gesetz 59 der Mil.-Regierung ) Antragsstellerin der Rückerstattung war der Jewish Trust Corporation zu London W.C.l., Woburn House, Upper Woburn Place vertreten durch: Bezirksbüro Hannover, Schleiermacherstr. 20

Am 23.März 1939 -so eine Abschrift - erschien einem Notar in Hannover „von Person bekannt:
der Kaufmann Herr Siegfried ( Israel ) Wolfes in Hannover, Zeppelinstraße 2.
Der Erschienene erklärte:
Die offene Handelsgesellschaft in Firma Gebr. Wolfes Hannover, Prinzenstraße 18, ist Eigentümerin des“…., „Hausgarten an der Bahnhofstrasse. Nach Auflösung der offenen Handelsgesellschaft in Firma Gebr. Wolfes in Hannover bin ich alleiniger Inhaber der genannten Firma geworden und beziehe mich insoweit auf die Eintragung im Handelsregister des Amtsgerichts Hannover, Abteilung A No.3.“….
„Ich nehme hiermit das vorbezeichnete Kaufangebot seinem gesamten Inhalte nach an…“
„Ich bitte den amtierenden Notar, eine Ausfertigung dieser Verhandlung unverzüglich dem Notar Herrn“ O.T., „ in Elze (Hann.) zugehen zu lassen.“…..



O.T. hatte das Kaufangebot am 13.März1939 beurkundet. Für bare 3100 RM sollte das Grundstück den Eigentümer wechseln.

In §7 des Kaufvertrages steht: “Dieser Vertrag wird abgeschlossen unter dem Vorbehalt der Genehmigung in Gemässheit der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3.Dezember 1938 (Reichsgesetzbl. Seite 1709) und der etwa sonst nach gesetzlichen Vorschriften erforderlichen Genehmigungen. …“

Am 3.Juli 1939 genehmigte der Regierungspräsident in Hannover den Verkauf unter den Auflagen:
„1) Der Erwerber hat den Kaufpreis für den Verkäufer auf ein Sperrkonto bei einer Devisenbank einzuzahlen und mir binnen sechs Wochen den Nachweis über die erfolgte Einzahlung vorzulegen.
2)Im Zeitpunkt der Eintragung der Rechtsänderung im Grundbuch dürfen Hypotheken oder sonstige Rechte an Grundstücken zu Gunsten von Nichtariern am Kaufgegenstand nicht mehr bestehen.“

Am 6.Juli1938 schrieb der Rechtsanwalt und Notar T.:
„Die Verkäuferin Firma Gebr. Wolfes wird hiermit ersucht, eine Bank, die als Devisenbank gilt, zu bezeichnen, bei der das Sperrkonto errichtet werden kann. Mit deutschem Gruss!“….

K6







Im Adreßbuch des Jahres 1934 von Hannover ist auch das damals gültige Handelregister
enthalten. Zu Gebr. Wolfes ist dort vermerkt:
„Gebr. Wolfes,3, Prinzenstr. 18. Gesellsch. Siegfried Wolfes, Dr. Adolf Herzfeld u. Frau Rosa Wolfes, geb. Nordheimer (Frau Rosa Wolfes ist von der Vertretung ausgeschlossen)
Einz.Prok. Salomon Selberg, Ges-Prok. Menny Heilbrun, Ewald Fahnenschild, Rudolf Reinecke, Otto Löwenstein, Erich Meininger, Hans Pohly“


Im März 2010 fand ich beim Its-Arolsen folgende Dokumente:





Copy of Doc.No.50154579#1 in conformity with the ITS Archives,15.9.2010,Archivnummer:1909 Siegfried Wolfes

Copy of Doc.No.5014881#1 in conformity with the ITS Archives,
15.9.2010,Archivnummer:1909,Siegfried Wolfes2


Am 28.3.2010 schrieb mir Dietrich Schabow, Sayn/Bendorf :

„Herr Siegfried Wolfes ist am 19.04.1863 geboren und am 05.12.1941 in Sayn verstorben. Der beurkundende jüdische Arzt Dr. Wilhelm Rosenau gibt als Todesursache an:
"Arteriosklerose, arteriosklerotische Demenz, Herzmuskelentartung, acute Herzinsuffizienz."
Dies weiß ich aus einer Übersicht über die Todesursachen der zwischen 1940 und 1942 hier verstorbenen Juden, die in den 1960er Jahren für das Bundesarchiv angefertigt wurde. Leider ist die Patientenkartei nicht auffindbar."....


K7






Zum Stammbaum der Familie Wolfes nach der Zusammenstellung des Standesamtes Elze von 1954:


David Wolfes verheiratet mit Rebecka geb. Heine

Phillip verh. mit Rosa geb. Rothschild Samuel verh. mit Rosa geb. Elkan
*1824 *1821 *1830
†1885 †1900 †1914

Johanne Rebecca Sara Rebecka Harry Ella Jenny
*1863 *1865 *1868 *1866 *1856 *1870 *1871
†1875 verh. Herz verh. Louis verh.Silberberg †1902 verh.Münster
(Neustadt-Gödens) (Posen) (Felsberg) (Hamburg)


Harry heiratete 1883 Cäcilie Jacob Jenny heiratete 1894 Ferdinand Phillip
(Sondershausen)

Hans *1884 Otto *1886 Walter *1903 Ruth *1909

K8





Herr Egmar Ruppert hat für verschiedene jüdische Familien Quellendokumentationen erarbeitet, die über Geburten und Eheschließungen dieser Familien Auskunft geben.
Ein Titel lautet:
„Familie
Wolfes
Mehle –Elze
1700-1945
Quellendokumentation“

(Egmar Ruppert, Materialien zur Sozialgeschichte, KA Hildesheim,
Quellendokumentation, Jüdische Familien auf dem Gebiet des Landkreises Hildesheim und seiner historische Vorgänger,Nr.42
)

Die Dokumentation zur Familie Wolfes umfasst ungefähr 106 Seiten !
Eine vollständige Wiedergabe dieser Arbeit Rupperts würde den Rahmen dieser Dokumentation sprengen,

Ruppert zitiert als seine Quellen u.a.:
Personenstandslisten Synagogengemeinde Mehle, Geburtsregister, Nr.2 Hauptstadtarchiv Hannover
Personenstandslisten Synagogengemeinde Hannover, Sterberegister 1932, Nr.1576, Hauptstadtarchiv Hannover
und andere.
Eine weitere zentrale Quelle scheint zu sein:

Dr. Willi Schragenheim, Geschichte der Familie Wolfes, Hannover, 1936

K9





Auf Seite 12 seiner Dokumentation führt Ruppert aus:


„ Eheschließung:18??
Samuel Wolfes
(29.2.1821-3.6.1900)
und
Rosa Elkan
(9.8.1829-18.5.1914)

Kinder:

Harry Wolfes
(11.8.1856-18.5.1914)

Rahel Wolfes
(10.12.1858-10.12.1933)

Dagobert Wolfes
(24.7.1860-12.7.1932)

Julius Wolfes
(26.6.1862-19??

Moritz Wolfes
(20.5.1864-26.11.1919)

Rebecka Wolfes
(31.1.1866-26.3.1901)

Willi Wolfes
(9.8.1867-18??)

Sara Wolfes
(13.12.1870-26.8.1934)

Ella Wolfes
(16.3.1870-26.8.1934)

Jenny Wolfes
(24.6.1871-19??)“ (Ruppert,a.a.O., S.12)

Anm:
Nach Jürgen Huck ist das richtige Todesdatum von Harry Wolfes der 23.4.1902.

K10





Auf Seite 23 vermerkt Ruppert zu Dagobert Wolfes :
“Elze, Kaufmann,..,Todesursache:
Leberschrumpfung“….“Quelle Hann. 83b Nr.94, Jüdische Personenstandslisten Synagogengemeinde Hannover, Sterberegister 1932, Nr.1576. Hauptstadtarchiv Hannover.“

In der gleichen Dokumentation führt Ruppert an:

Philipp Wolfes (22.11.1824-18.7.1885) heiratete Rosa Rothschild (12.1.1829-28.11.1909)
Ihre Kinder waren Hermann (20.4.1858-10.4.1924), David (28.7.1859-27.7.1909), Joseph
(später Dr.jur.), Johanna (14.1.1863-3.2.1875), Rebecka (18.8.1865-??) und Siegfried (19.4.1868-5.12.1941) Elze/Bendorf/Sayn

K11





Zur Familie Wolfes merkt er am Ende an:
„ Familie Wolfes
Eheschließungen mit:

Familienname Ort Umfang

1. Bernhardt Stadtoldendorf 8
2. Blumenthal Hitzacker 1
3. Blumenthal Mahlerten 3
4. Dreyer Bielefeld 200
5. Elkan Bleckede 6
6. Erda Detmold 21
7. Friedhelm Bad Münder 45
8. Goldstein Hannover 4
9. Gordon Hildesheim 3
10. Graetz Wolfenbüttel 2
11. Heine Eldagsen 22
12. Herzfeld Hannover 64
13. Jacob Sondershausen 5
14. Lilienfeld Hessisch Oldendorf 28
15. Lindemeyer Petershagen 40
16. Magnus Hannover 2
17. Menke Münster 48
18. Meyer Vellahn 17
19. Münster Hamburg 6
20. Nordheimer Marsberg 23
21. Oppenheimer Mehle 12
22. Philipp Hamburg 5
23. Rothschild Merxhausen 66
24. Sander Völksen 18
25. Selberg Coppenbrügge 8
26. Silberberg Felsberg 8
27. Spiegel Coppenbrügge 16
28. Stern Oberstein 1
29. Süßapfel Mehle 5
30. Traube Peine 15
31. Würzburg Hildesheim 2“

K12





Nach Ruppert heiratete Abraham Baruch Süßapfel am 21.6.1837 Elise Wolfes, Mehle, ihr Sohn Adolph heiratete Bertha Lilienfeld aus Hessisch Oldendorf !

Anm: Vergleiche zu Süßapfel Kapitel Jüdische Friedhöfe







Weitere Aufschlüsse geben die beiden folgenden standesamtlichen Dokumente, Stadtarchiv Gronau (Leine)




Daraus ergibt sich:
Hedwig Wolfes, geborene Stern, verh. mit David Wolfes bekam am 2.1.1894 in Gronau einen Sohn. Nach dem Geburtsregister (Nr5/1894) war dies Fritz Wolfes. Dieser heiratete 1930 in Homburg v.d.Höhe (N33/1930)
Heinemann Wolfes wurde 1823 im Mehle geboren, war mit Bertha Wolfes, geborene Blumenthal verheiratet. Heinemann und Bertha Wolfes hatten eine Tochter Sara, die am 25.12..1853 geboren wurde und 1938 in Hamburg verstarb (Gronau Nr.478/1938)
Heinemann Wolfes Eltern waren der Handelsmann David Wolfes, verheiratet mit
Rebecka Wolfes, geb. Heine, verstorben in Mehle. Heinemann Wolfes starb am 6.5.1897 in Gronau.
Er war- so Frau Weinmeister (Stadtarchiv Gronau)- Putzmacher und Vorsteher der Gronauer israelitischen Gemeinde.

K13







Aus dem Jahre 1900 stammt ein Foto anläßlich des Schauturnens des MTV, das Hans und Otto Wolfes sowie? Cohnhoff im Kreise Turnbrüder zeigt. Ihre Gesichter:










Hermann Wolfes war mit Rosa Nordheimer verheiratet und ihr Sohn Phillip wurde 1889 geboren.
Jürgen Huck präzisiert:Hermann Wolfes (*Elze 20.4.1858) und Philipp Wolfes (* Elze 17.9.1889)
Julius Wolfes war mit Anna Menke verheiratet. Sie wurde 1868 geboren und starb im Jahre 1913.


Zitat aus www.juedische-geschichte-Hameln.de :
„Erst mit der Zugehörigkeit Hannovers zu Preußen im Jahre 1866 erreichten die Juden die volle Gleichberechtigung, die ihnen das Königreich Hannover stets verweigert hatte. Der berufliche und gesellschaftliche Aufstieg der Juden, der so lange verhindert worden war, ging nun sehr rasch vor sich. Nach Jahrhunderten der Beschränkung und Einkapselung orientierten sich die jüdischen Menschen auf beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg und waren dabei häufig sehr erfolgreich.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hatten viele Juden recht kümmerlich als Händler, Trödler, Pfandverleiher, Schlachter oder Viehhändler gelebt. Häufig war mit ihrer Tätigkeit ein kleiner Geldverleih verbunden, weil es auf dem Lande und in den kleinen Städten keine Sparkassen oder Banken gab.
Da die Hamelner städtische „Spar- und Leihkasse“ im Leihgeschäft sehr zurückhaltend war, fiel auch hier Juden dieses besonders risikoreiche Geschäft zu. Seit 1870 finden wir in Hameln häufig die Ausweitung des Getreide- und Produktenhandels auf das Bankgeschäft.“

K14






Die Aufzeichnungen des Standesamtes (SAE 84.1.I) weisen vor allem den Kaufmann als den Beruf der Elzer Juden aus. Natürlich ist diese Beschreibung unscharf. Lohgerbereibesitzer und Viehhändler sind hier die einzigen weiteren Berufsbezeichnungen.

K15





Auf Anfrage teilte das Institut für bankhistorische Forschung e.V. aus Frankfurt im März 2007 mit:

" Deutsches Bankierhandbuch
Eintrag 1904
Elze (Hannover)
Bankhaus Gebr. Wolfes (ggr. 1852) Inhaber Harry & Dagobert Wolfes
Zusatz: Zahlstelle für Hannoversche Landes-Credit-Obligationen und Coupons.

Im Jahre 1913 wurde die Firma Gebr.Wolfes von der Hildesheimer Bank übernommen.

Eintrag 1914
Elze (Hannover)

Hildesheimer Bank - Depositenkasse Elze (ggr. 1913). Inhaber Hildesheimer Bank
Bevollmächtigte Julius Wolfes & Hugo Gödecke.
......
Eintrag 1920
.....
Hildesheimer Bank. Vorstand: Julius Wolfes & Leopold Cohnhoff.
.....
Eintrag 1926
Hildesheimer Bank. Filiale Elze (Bahnhofstr. 11b) Leiter Julius Wolfes.

.....
Eintrag 1930
Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft (Bahnhofstr. 11b) Ggr. 1913/1928. Leiter Heinrich Rahlves....."

K16






Die jüdische Gemeinde im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Im Zuge ihrer bürgerrechtlichen Emanzipation während der napoleonischen Zeit mussten die Juden feste Familiennamen annehmen: Die Oldendorfer wählten die Namen Rosenberg, Blumenthal und Lilienfeld. An den so genannten Befreiungskriegen gegen Napoleon nahm auch der Oldendorfer Baruch Blumenthal teil und erhielt dafür 1823 eine Ehrenmedaille des zurückgekehrten Kurfürsten. Zwischen 1823 und 1850 wuchs die jüdische Gemeinde von 29 auf 43 Personen; die Stadtbevölkerung von 1.175 auf 1.343 Einwohner. Die nunmehr vier Familienvorstände betätigten sich als Metzger oder Kaufleute. Sie lebten in unterschiedlichen Vermögensverhältnissen. Namentlich die Brüder Rosenberg (Bank- und Kolonialwarengeschäfte) und der Kaufmann Nathan Peritz Lilienfeld gelangten zu Wohlstand. Lilienfeld zog 1843 in den ständigen Bürgerausschuss ein, 1848 in den Stadtrat. Die kurhessische Verfassungsänderung von 1852 erkannte den Juden die staatsbürgerlichen Rechte wieder ab, und Lilienfeld musste den Stadtrat verlassen. Erst nach der Annexion Kurhessens durch Preußen erhielten die Juden 1869 ihre rechtliche Gleichstellung wieder.
Durch landesherrliche Verordnung von 1823 wurde die Synagogengemeinde Oldendorf gebildet, der die Juden in Großenwieden, Deckbergen, Hattendorf und Fischbeck angeschlossen waren. Zunächst befand sich ihr Bethaus in einem Hinterhof, später wurde ein Betraum in einem christlichen Wohnhaus angemietet. Die ersten Gemeindeältesten waren Nathan Peritz Lilienfeld, Aron Meyer Levi (Fischbeck), Joseph Rosenberg sowie Hermann Wolfes aus Elze, der Schwiegersohn von Lilienfeld. Lilienfeld selbst war von 1833 bis zu seinem Tod 1862 Vorsteher der Kreisjudenschaft.“
Quelle: www.gelderblom-hameln.de

K17






Ein Gedenkblatt für Dr. Otto Wolfes als bleibendes Denkmal als Opfer des
Holocaust befindet sich in der Halle der Namen in Yad Vashem, Jerusalem.


Dr. Otto Wolfes wurde 1886 in Elze geboren. Er war der Sohn von Harry und Cäcilie. Er war Arzt/ärztin und verheiratet mit Friederike, geb. Herzfeld. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte er in Hannover, Germany. 1938-1941 war er in Koeln, Germany. Dr. Wolfes starb im Jahr 1945 in Dachau, Camp. Quelle dieser Informationen: Gedenkblatt, eingereicht von: Forscher am 02. Feb 2000, ein/e Überlebende/-r des Holocaust

Herr Alex Salm, der Einreichende, hat offenbar ohne verwandtschaftliche Beziehungen Lebenswege von getöteten Juden festgehalten.


Alex Salmschrieb auch das Gedenkblatt für die Frau von Dr. Otto Wolfes,
Friederike Gertrud und deren Töchter Ilse und Ursula.






Im März 2010 fand ich bei ITS-Arolsen das folgende Dokument:

Ilse Wolfes
in conformity with the ITS Archives, 15.03.2010, Archivnummer: 1909
Copy of Doc. No. 4687069#1 (1.1.41.2/WJ-WOLJ/00072411/0002)


Litzmannstadt (auf Befehl des „Führers“ umbenannt) war ein Ghetto für Juden.
Hier wurde Ilse Wolfes also im Oktober verhaftet, am 27. September 1944
in das Konzentrationslager Stutthof eingewiesen. Stutthof war ein Konzentrationslager in und um Danzig mit 37 Außenlagern.
„Einweisende Dienststelle“ war offenbar das KZ Auschwitz.




K18






Zusammenfassung:
Otto Wolfes, geb. am 9.2.1886, Sohn von Harry Wolfes und Cäcilie Wolfes, geborene Jacob war mit Friederike Gertrud geb. Herzfeld verheiratet. Er promovierte und war Arzt. Er lebte in Hannover und Köln. Er starb am 17.1.1945 in Dachau. Seine ledige Tochter Ilse, geb. 2.9.1923, starb mit 21-22 Jahren in Stutthof. Seine Tochter Ursula, geb. 9.11.1919, starb 1944/45 ebenfalls in Stutthof. Seine Frau Friederike, geb.21.11.1895 starb in Lodz.



K19





Firma Gebr. Wolfes in Hannover

Norddeutsche Portland-Cement-Fabrik, Misburg:

Darin: Die Wolfes, die auch in Elze gelebt haben:

Legende:

GB Geschäftsbericht

AR Aufsichtsrat

GB 1906 AR-Mitglied: Bankier Hermann Ph. Wolfes, Hannover

GB 1912 AR-stellv. Vors.: Bankier Hermann Ph. Wolfes, Hannover

GB 1918 AR-Vors.: Bankier Hermann Ph. Wolfes, Hannover

Am 10. April 1924 stirbt Bankier Hermann Ph. Wolfes, Hannover

Er war: Mitbegründer und AR-Vors. der „Norddeutsche Portland-Cement-Fabrik, Misburg“

Handelsgerichtsrat

Vizepräsident der Handelskammer Hannover


GB 1924 AR-Vors. Dr. Adolf Herzfeld, Hannover

AR-Mitglied: Großkaufmann Siegfried Wolfes.

GB 1929 AR-Vors. Dr. Adolf Herzfeld, Hannover

AR-Mitglied: Großkaufmann Siegfried Wolfes

AR-Mitglied: Justizrat Dr. Joseph Wolfes

GB 1932 AR-Vors. Dr. Adolf Herzfeld, Hannover

AR-Mitglied: Justizrat Dr. Joseph Wolfes stirbt am 27.11.1932



Im GB 1933 ist Dr. Adolf Herzfeld, Hannover nicht mehr AR-Vorsitzender.


Zwischen 1932 und 1935 sind keine Angaben über den Aufsichtsrat im Geschäftsbericht gemacht.

Im GB 1936 ist das Bankhaus Wolfes nicht mehr vertreten.

Das Aktienpaket des

Hauptaktionärs Gebr. Wolfes soll 1936 an die Maizena-Werke AG, Hamburg übergegangen sein.



Dem Vater von Renate, Dr. Adolf Herzfeld, gehörte zusammen mit seinem Schwiegervater

Hermann Philipp Wolfes und dessen Bruder Siegfried Wolfes das

Bank- und Getreidegeschäft „Gebrüder Wolfes“ in Hannover. Adolf Herzfeld hatte im 1. Weltkrieg

gedient, er war Oberleutnant und Träger des Eisernen Kreuzes Erster und Zweiter Klasse, während

Hermann Wolfes, der zu alt für den Kriegseinsatz war, von Kaiser Wilhelm II den

Roten Adlerorden 4. Klasse bekommen hatte. Adolf Herzfeld und Hermann Wolfes waren beide in

Hannover zu Handelsrichtern ernannt worden.


In den Adreßbüchern der Stadt Hannover der Jahre 1931 - 1943 (August Scherl, Deutsche Adreßbuch Gesellschaftmbh, Hannover werden aufgeführt:

Siegfried Wolfes, Eigentümer Zeppelinstr.2 für die Jahre 1931 - 1940;
1941 und 1942 ist Ellen Wolfes Eigentümerin, 1943 nicht mehr

Gebr. Wolfes Bank u. Getreidehandel ist Eigentümerin der Prinzenstr.18 (1932 nicht aufgeführt) in den Jahren
1931 -1939

1940 und 1941 wird die Firma nicht mehr aufgeführt, Grundstück und Gebäude besitzt nun Siegfried Wolfes
1942 wird kein Besitzer dieser Adresse mehr aufgeführt

In den Beständen des Staatsarchivs in Pattensen befindet sich die Akte Hann210 Acc 2004/011 N.66
Zur Firma Gebr. Wolfes findet sich im November 1938:
Siegfried Wolfes („Nichtarier“) ist alleiniger Inhaber der Firma Gebr.Wolfes (zuvor mit Adolf und Lisbet Herzfeld).

„Gefolgschaft“ 6 Angestellte, 3 Arbeiter, Prokura Dr. Schendel (Nichtarier)
„Die Firma befindet sich in stiller Liquidation, soweit das Bankgeschäft in Frage kommt.“

„ Warengeschäft    Bank    Gewinn    Verlust
1935 RM 9.372703    RM64671000,-    RM196.477,78    -
1936 RM 2.503741    21346000,-    -    RM17092,43
1937 RM 603933    6612000    -    RM19555,39“

Ferner wird festgestellt:
„Etwa 160, überwiegend nichtarische Konten.“
„Warengeschäfte tätigte die Berichtsfirma in jeglichen Getreidearten, Futter-
& Düngemitteln. Der Import von Getreide hat etwa 1936 aufgehört.“
Forderungen bestanden z.B. gegenüber Firmen aus der Türkei, Rumänien, Griechenland, Dänemark.
Das Reichsbankdirektorium, Berlin entzieht am19.7.38 (IIa15746) die Eigenschaft als Devisenbank.

K20





Am 12.11.1938 bevollmächtigt Siegfried Wolfes den Rechtsanwalt Dr. Ralph Diekmann in Hannover das Geschäft zu veräußern oder zu liquidieren. Wertgegenstand: 400000RM
Am 4.3.1940 schrieb die Devisenstelle Hannover in einer Aktennotiz:
„Betrifft: Gebr. Wolfes, Hannover. Laut Handelsregister ist obige Firma
auf Antrag des Inhabers Josef Israel Wolfes, Hannover, aufgelöst worden. Die Löschung erfolgte im H.R. am 18.12.1939.“
(Han 210 Acc.2004/011 Nr.66)

Die gleiche Quelle ergibt, dass
Dr. Adolf und Frau Lisbet Herzfeld sich 1939 in Rio de Janeiro befanden. Sie waren Teilhaber der Firma Wolfes, so ein Schreiben der Firma vom 21.11.1938.

K21






Im November 1938 schreibt die Firma Gebr. Wolfes an den Oberfinanzpräsidenten:
„Der Bruder von Lisbet Herzfeld geb. Wolfes, Herr Philipp Wolfes, lebte seit Jahren im Hause seiner Schwester und seines Schwagers, der Eheleute Dr. Adolf Herzfeld in Hannover. Philipp Wolfes ist geisteskrank“… „und sein Vermögen pp. wurde von Dr. Herzfeld verwaltet.“ (Bankhaus Wolfes Hannover beantragten 1938 das Konto von Dr. Herzfeld wegen Regressansprüchen des Vormunds im Bankhaus Wolfes weiterführen zu können. (Gleiche Quelle) Im November 1938 untersagte der Oberfinanzpräsident dem Bankhaus Wolfes das Führen von Auslandsinkassokonten und Ausländersonderkoten. (gleiche Quelle)



Dr.jur Hans Wolfes
Aus Hann 173 Acc.56/97 Nr.254 ergibt sich:
Personalakte von Dr. Hans Wolfes beim Oberlandesgericht Celle
Geb. 22.9.1884 in Elze, verh. mit Martha, geb. Rathje
In seinem Antrag auf Ausübung seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt und Notar (Erlaß des Justizministers vom 5.April 1933) führt er ferner aus:
- er hat 1933 3 Kinder im Alter von 3 bis 8 Jahren
- sein Vermögen durch Inflation fast vollständig verloren
- er wurde 1915 bis zum Schluß zum Heerdienst eingezogen
- „Mein Urgroßvater David Wolfes in Mehle, Kreis Gronau, Provinz Hannover, hat in der Schlacht bei Waterloo auf deutscher Seite gekämpft ausweislich der auf Erfordern vorzulegenden ihm verliehenen Waterloo-Medaille.“
- „Dass ich im besten Sinn von Geburt an deutsch denke und fühle und mich auch stets so betätigt habe, ist für mich eine Selbstverständlichkeit und wird von allen, die mich kennen bestätigt werden können. Das Gleiche gilt bezüglich meiner verstorbenen Eltern und Grosseltern und alle noch lebenden und verstorbenen Angehörigen meiner Familie im weitesten Sinn und wird von den Behörden und Bürgern meiner Vaterstadt Elze, einer kleinen Stadt in der Provinz Hannover, in der sich meine Familie stets des besten Ansehen und Rufes erfreute , bekundet werden können.
Hannover, den 8.April 1933
gez. Dr. Hans Wolfes
Rechtsanwalt und Notar“

K22





Wolfes soll nachweisen „dass es völlig ausgeschlossen ist, dass der Antragsteller sich im kommunistischen Sinne (in der kommunistischen Partei oder auch nur zur Unterstützung kommunistischer Organisationen und Bestrebungen) betätigt hat. In einem Schreiben des Oberlandesgerichtspräsidenten Celle vom 8.Mai heißt es:“Die von Ihnen beigebrachten Unterlagen und die über sie eingeholte
Auskunft reichen für die Abgabe einer solchen Bescheinigung nicht völlig aus….“

Es nützt alles letztlich nichts:
Der Oberlandesgerichtspräsident schreibt an Dr. Hans Wolfes:
„Celle, den 21. Oktober 1938“..“Der Herr Reichsminister der Justiz hat durch Erlaß vom 17.Oktober 1938“..“auf Grund des §1 der 5. Verordnung zum Reichsbürgergesetz Ihre Zulassung als Rechtsanwalt mit Ablauf des 30.November 1938 zurückgenommen.“

Jürgen Huck ergänzt am 4.7.2011:
Dr. Hans Wolfes heiratete 1924 und hatte mit seiner Frau Martha 3 Kinder: Ruth*1924, Susanne*1928,Hans Jürgen*1929.
Die Familie meldete sich am 17.2.1939 aus Hannover ab und emigrierte nach Luxemburg.






















K23





Aus Hann.173Acc.56/97/Nr.255 ergibt sich:
Das Oberlandesgericht Celle, Personalakten Dr. Wolfes, Personal und Befähigungsnachweis:
Dr. Franz Wolfes, geb.24.Mai 1896 in Hannover
Glaubensbekenntnis Ev.luth.
Leutnant der Reserve der Feldattillerie
Vereidigung für den Staatsdienst 13.Dezember 1920
November 1924 Bestehen der Großen Staatsprüfung
Danach Rechtsanwalt bei Amt-und Landgericht Hannover….
24.12.1929 Vereidigung zum Notar
28.4.1933 Nachweis als Frontkämpfer gemäß Preussischen Ausführungsbestimmungen zum Reichsgesetz vom 7.4.1933(J.M.B.1933 S.127) erforderlich
April 1933 Zulassungsgesuch an den Preussischen Justizminister als Rechtanwalt und Notar gemäß Verfügung des Justizministers vom 5. April 1933
Darin: „Ich erkläre meine völlige Loyalität gegenüber der Regierung der nationalen Erhebung.“
„Ich habe mich stets als Glied der deutschen Volksgemeinschaft gefühlt, und meine nationale Gesinnung dadurch bestätigt, dass ich bereits 1914 als Kriegsfreiwilliger im Alter von 18 Jahren in die deutsche Armee eingetreten bin.“
1919 Übertritt zum evangelisch-lutherischen Glauben
1.1.1920 Mitgliedschaft in der Deutschen Volkspartei
Verweis darauf, dass seine Familie mütterlicher und väterlicherseits schon vor 1800 in der Provinz Hannover ansässig war,
sein Urgroßvater väterlicherseits als Soldat eines in Hildesheim aufgestellten Regiments die Schlacht von Waterloo mitgemacht hatte, sein Urgroßvater mütterlicherseits bereits 1826 in Hannover ein Bankgeschäft gegründet hatte,
sein 1932 verstorbener Vater Justizrat (Joseph) Wolfes mehr als 40 Jahre eine Anwaltspraxis ausübte
Oberbürgermeister Dr. Menge, Hannover und Rechtsanwalt Dr. Lustgebruns, Berlin bezeugten das hohe Ansehen der Familie
1920 Beförderung zum Leutnant
1916 Eisernes Kreuz II. Klasse
„Während des ganzen Krieges an der Front“.......

K24





Zu den Deportationen und Ermordungen jüdischer Familien aus Elze




Die zunächst folgenden Angaben sind von der Internetseite www.holocaust.cz entnommen.

Emil Rosenstern
Geboren 06. 04. 1867
Letzte Wohnadresse vor Deportation:
Hannover-Ahlem
Transport VIII/1, č. 195 (24.07.1942 Hannover -> Terezín)
Transport Bs, č. 1088 (29.09.1942 Terezín -> Treblinka)
Ermordet

Helene Rosenstern
Geboren 01. 10. 1867
Letzte Wohnadresse vor Deportation:
Hannover-Ahlem
Transport VIII/1, č. 196 (24.07.1942 Hannover -> Terezín)
Transport Bs, č. 1089 (29.09.1942 Terezín -> Treblinka)
Ermordet


Kornberg, Hermann (Ehemann von Emilie Rosenstern)
geboren am 06. Februar 1885 in Ottenstein / Holzminden / Braunschweig
wohnhaft in Hannover und Braunschweig
Deportationsziel:
ab Hannover
15. Dezember 1941, Riga, Ghetto
Todesdatum/-ort:
28. Januar 1944, Riga
(Emilie und Tochter Ilse wurden gerettet.)




Leopold Cohnhoff
Geboren 08. 10. 1877
Letzte Wohnadresse vor Deportation:
Hannover
Transport VIII/1, č. 290 (24.07.1942 Hannover -> Terezín)
Ermordet Theresienstadt


David Wolfes
Geboren 12. 02. 1861
Letzte Wohnadresse vor Deportation:
Hannover
Transport VIII/1, č. 275 (24.07.1942 Hannover -> Terezín)
Ermordet Theresienstadt


----------------------------------------------------------------------------------------------
VIII/1 (24.07.1942 Hannover -> Terezín)
Deportiert insgesammt: 779
Ermordet: 704
Überlebt: 75








Im Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 des Bundesarchivs findet man folgende Eintragungen:

Cohnhoff, Elieser Leopold
geboren am 08. Oktober 1877 in Dannenberg / - / Hannover
wohnhaft in Hannover
Deportationsziel:
ab Hannover
23. Juli 1942, Theresienstadt, Ghetto
Todesdatum/-ort:
07. Juni 1943, Theresienstadt, Ghetto

Höxter, Annie Anni
geborene Bos
geboren am 07. Juli 1892 in Veendam / Groningen / Niederlande
wohnhaft in Elze und Hamburg
Deportationsziel:
ab Hamburg
08. November 1941, Minsk, Ghetto

Höxter, Berthold
geboren am 04. Juni 1877 in Zimmersrode / Fritzlar / Hessen - Nassau
wohnhaft in Elze und Hamburg
Deportationsziel:
ab Hamburg
08. November 1941, Minsk, Ghetto


Oppenheimer, Alfred
geboren am 29. August 1882 in Elze / Gronau / Hannover
wohnhaft in Berlin
Deportationsziel:
ab Berlin
29. Januar 1943, Auschwitz, Vernichtungslager


Oppenheimer, Bertha
geboren am 14. März 1865 in Elze / Gronau / Hannover
wohnhaft in Hannover
Deportationsziel:
ab Hannover
23. Juli 1942, Theresienstadt, Ghetto
26. September 1942, Treblinka, Vernichtungslager

Oppenheimer, Ella
geborene Frank
geboren am 26. August 1876 in Pattensen / Springe / Hannover
wohnhaft in Hannover
Deportationsziel:
ab Hannover
15. Dezember 1941, Riga, Ghetto
Todesdatum/-ort:
01. Januar 1943, Riga, Ghetto


Palmbaum, Alice
geborene Oppenheimer
geboren am 31. Oktober 1899 in Elze / Gronau / Hannover
wohnhaft in Hannover
Deportationsziel:
ab Hannover
15. Dezember 1941, Riga, Ghetto
Todesdatum/-ort:
01. Januar 1943, Riga, Ghetto


Rosenstern, Emil
geboren am 06. April 1867 in Polle / Hameln - Pyrmont / Hannover
wohnhaft in Hannover und Ahlem
Deportationsziel:
ab Hannover
23. Juli 1942, Theresienstadt, Ghetto
29. September 1942, Treblinka, Vernichtungslager
Todesdatum/-ort:
für tot erklärt


Rosenstern, Erich
geboren am 23. Dezember 1899 in Salzhemmendorf / Hameln - Pyrmont / Hannover
wohnhaft in Hannover
Deportationsziel:
ab Hannover
15. Dezember 1941, Riga, Ghetto
Todesdatum/-ort:
22. Dezember 1944, Libau


Rosenstern, Frida Frieda
geborene Abt
geboren am 01. Juni 1905 in Eldagsen / Springe / Hannover
wohnhaft in Hannover
Deportationsziel:
ab Hannover
15. Dezember 1941, Riga, Ghetto
01. Oktober 1944, Stutthof, Konzentrationslager

Rosenstern, Helene Helena
geborene Lebenbaum
geboren am 01. Oktober 1867 in Boffzen / Holzminden / Braunschweig
wohnhaft in Hannover und Ahlem
Deportationsziel:
ab Hannover
23. Juli 1942, Theresienstadt, Ghetto
29. September 1942, Treblinka, Vernichtungslager
Todesdatum/-ort:
für tot erklärt

Anmerkung:
Wie das Dokument zu Erich Rosenstern in I6 beweist, war Emil Rosenstern mit Helene Rosenstern, geb. Lebenbaum, verheiratet.



Stern, Hedwig
geboren am 03. März 1895 in Elze / Gronau / Hannover
wohnhaft in Elze
Emigration:
24. August 1933, Niederlande
Deportationsziel:
1942, Auschwitz, Vernichtungslager
Todesdatum/-ort:
03. September 1942, Auschwitz, Vernichtungslager
für tot erklärt


Stern, Louis
geboren am 29. November 1869 in Mehle / Gronau / Hannover
wohnhaft in Berlin
Deportationsziel:
ab Berlin
03. Juli 1942, Theresienstadt, Ghetto
19. September 1942, Treblinka, Vernichtungslager


Wolfes, David
geboren am 12. Februar 1861 in Gronau / - / Hannover
wohnhaft in Hannover und Oeynhausen, Bad
Deportationsziel:
ab Hannover
23. Juli 1942, Theresienstadt, Ghetto
Todesdatum/-ort:
17. Dezember 1942, Theresienstadt, Ghetto

Wolfes, Gertrud Friederike
geborene Herzfeld
geboren am 21. November 1895 in Hannover / - / Hannover
wohnhaft in Köln
Deportationsziel:
ab Köln
22. Oktober 1941, Litzmannstadt (Lodz), Ghetto
Todesdatum/-ort:
1945, unbekanntes Konzentrationslager

Wolfes, Ilse
geboren am 02. September 1923 in Hannover / - / Hannover
wohnhaft in Köln
Deportationsziel:
ab Köln
22. Oktober 1941, Litzmannstadt (Lodz), Ghetto
27. September 1944, Auschwitz, Vernichtungslager
Stutthof, Konzentrationslager

Wolfes, Otto
geboren am 09. Februar 1886 in Elze / Gronau / Hannover
wohnhaft in Hannover und Köln
Deportationsziel:
ab Köln
22. Oktober 1941, Litzmannstadt (Lodz), Ghetto
01. September 1944, Auschwitz, Vernichtungslager
Dachau, Konzentrationslager
Todesdatum/-ort:
17. Januar 1945, Dachau, Konzentrationslager


Wolfes, Ursula
geboren am 09. November 1919 in Hannover / - / Hannover
wohnhaft in Köln
Deportationsziel:
ab Köln
22. Oktober 1941, Litzmannstadt (Lodz), Ghetto
Auschwitz, Vernichtungslager
Stutthof, Konzentrationslager

Zusammenfassung:



Am 25.12.1941 wurden von Hannover nach Riga deportiert:

Ella Oppenheimer *26.8.1876 †1.1.1943

Alice Palmbaum, geb. * 31.10.1899 †1.1..1943
Oppenheimer

Erich Rosenstern * 23.12.1899 †22.12.1944 (Libau)

Frieda Rosenstern, geb. * 1.6.1905 †1.10.1944 (Stutthof)
Abt

Hermann Kornberg *6.2.1855 †28.1.1944
(Ehemann von Emilie
Rosenstern)


---------------------------------------------------------------------------------------------------

Am 24.7.1942 wurden von Hannover nach Terezin (Theresienstadt) deportiert:

Leopold Cohnhoff *8.10.1877 † 7.6.1943

Emil Rosenstern *6.4.1867 † (Treblinka)

Helene Rosenstern, geb. * 1.10.1867 † (Treblinka)
Lebenbaum

David Wolfes *12.2.1861 †17.12.1942

Bertha Oppenheimer *14.3.1865

----------------------------------------------------------------------------------------------

VIII/1 (24.07.1942 Hannover -> Terezín)
Deportiert insgesammt: 779
Ermordet: 704
Überlebt: 75





---------------------------------------------------------------------------------------------------

Am 22.10.1942 wurden von Köln nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert:

Otto Wolfes *6.2.1886 †17.1.1945 (Dachau)

Gertrud Wolfes, geb. *21.11.1895 † 1945 (Ort unbekannt)
Herzfeld

Ilse Wolfes *2.9.1923 † (Stutthof)

Ursula Wolfes *9.11.1919 † (Stutthof)


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Am 8.11.1941 wurden von Hamburg nach Minsk deportiert:

Annie Höxter *7.7.1892

Berthold Höxter * 4.6.1877

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Ferner:
Am 3.7.42 wird Louis Stern (geb. 29.11.1869 in Mehle) von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert.
Er stirbt am 19.9.1942 im Vernichtungslager Treblinka.

Am 29.1.1943 wird Alfred Oppenheimer (geb. 29.8.1882 in Elze) von Berlin aus nach Auschwitz deportiert.
(1882 wurde Alfred Oppenheimer nach Aufzeichnung des Elzer Standesamtes als Sohn von Hermann und Emma Oppenheimer, geb. Mannheim, geboren.)

Hedwig Stern emigrierte am 24.8.1933 nach Holland, wurde 1942 deportiert und am 3.9. 1942 in Auschwitz ermordet.



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Es überlebten die Nazizeit:
Ernst Rosenstern, geb. am 6.5.1930 in Hannover
Emile Kornberg (geb. Rosenstern) und Tochter Ilse
Fritz und Gertie Höxter
Erich Oppenheimer und vielleicht auch Familie Hans Wolfes

(unvollständig!!!!)



























Jüdische Gemeinde in Mehle



Aus dem Buch „ Aus der Geschichte des Dorfes Mehle“ von Franz Steinbrecher,
1961, Seite 60 - 61 :

„ Es gab früher in Mehle eine israelische Gemeinde
Im Jahre 1727 erließ der Erzbischof von Köln, Clement August, als Bischof des Fürstbistums Hildesheim einen General-Schutzbrief für die Juden in seinem Lande, darin heißt es:“ Sie sollen mit ihren Kindern geschützt werden samt Hab und Gut, dafür haben sie jährlich fünfhundert Gulden rheinisch Schutzgeld zu zahlen.
Sie sollen ihrem Handel und Wandel, Hantierung und Gewerbe aufrichtig, gebührlich und friedsam nachgehen und können in dem Stift Hildesheim sicher und unangefochten wohnen. Sie dürfen zu ihrer eigenen Haushaltung und Notdurft, nicht aber zum Verkauf, einiges Vieh, wie Kälber, Hammel und Schafe einkaufen und schlachten. Und was sie davon nicht gebrauchen, dürfen sie (laut Gesetz) auch an andere Leute ganz, viertel aber nicht pfundweise verkaufen. Die außer Hildesheim Wohnenden können es auch pfundweise verhandeln, weil es hier keine Ämter und Gilden gibt, an freien Markttagen einen Freistand nehmen und ihre Waren versilbern.
Wenn andere „Kramer“ in die Judenhäuser eindringen und dort aus Kisten und Kasten neue Ware herausholen, ohne Wissen und Willen der Regierung, so soll diesen das verboten werden.

L1






Diese „vergleidet Juden“ *) dürfen in ihren Synagogen ohne Nachteil, Lästerung, Beschwerung und Verkleinerung des christlichen Glaubens, ihre Gottesdienste halten, wozu auch ihre Rabbiner und sonstigen Diener geschützt sind. Diesen sollen sie gebührlich gehorsam sein.
Die sich ihrer Ordnung nicht fügen, sollen mit fünfzig Gulden bestraft werden, wovon die Hälfte in die Regierungskasse (Rentkammer) und die andere den armen Juden zugute kommen soll.
Die benannten Juden sollen frei sein von allen anderen Abgaben, auch von Zahlung des Zolls im Stift Hildesheim. Alle Beamten sollen ihren Leib, Hab und Gut
schützen, sie nicht vergewaltigen, belästigen und mit Geld und Geldeswert beschweren, noch solches von anderen geschehen lassen, sofern sie sich bescheiden und gebührlich benehmen.“
(N.St.A.Hann.Des.80,Hild I,N Nr.55., zit.n. Steinbrecher S.60)
Steinbrecher fährt fort:
„Die Namen der von der Regierung geschützten Personen wurden gleichzeitig mit dem General-Schutzbrief bekanntgegeben, die nicht genannten galten als fremde Juden und durften im Gebiet des Bistums weder „hausieren und haarschneiden.““

*)das heißt, daß sie als ehrenwerte Männer ihre Handelspatente erhalten hatten (J.S.)
Steinbrecher berichtet auch über den „israelitischen Friedhof“, die verschiedenen Synagogen und den Wegzug der jüdischen Familien - vor allem nach Elze.

L2






…. „1830 wurde der Synagogenbezirk Mehle mit Elze als angeschlossenen Ort eingerichtet. Die Stadt Elze hatte bis dahin die Niederlassung einer größeren Zahl von Juden unterbunden. Aus früheren Jahrhunderten sind nur vereinzelte Nachrichten über Juden in Elze überliefert: 1630 wird der Jude Bernhardt in Elze erwähnt, 1801 lebte hier ein Schutzjude. Andere Juden waren nur zu Märkten in der Stadt anwesend.“…
„ kurz nachdem Elze das Stadtrecht und damit die Befugnis zur Kontrolle der Niederlassung und Bürgerrechtsvergabe verloren hatte, begannen jüdische Familien aus Mehle nach Elze überzusiedeln. Ein weiterer Grund wird der Anschluß an die Eisenbahn gewesen sein. 1864 beschloß die Synagogengemeinde ihren Sitz von Mehle nach Elze zu verlegen, wo damals bereits neun Familien wohnten. Im März 1866 wurde die Synagoge in Mehle auf Abbruch verkauft“…(Dirk Riesener; Mehle/Elze)

L3





Von H.F.Blochberg, Maurermeister aus Elze, stammt folgende Notiz:


Übertragung (J.S.):

Israelitische Gemeinde
insp Tempel der Mehler
Judengemeinde
Ich erhielt den 16.Aug.
1854 laut contractischer Zu-
erkennung für den Tempelbau daselbst
a) 100 rt Courant von Oberndorf Dav.
b) 100 rt Cour. von Dav.Wolfes
bar ausbezahlt
Desgleichen erhielt ich für den
Tempelbau auf den zweiten
Accordsatz (?),Martini 1854 con-
tractlich fällig von David Wolfes
und Joseph Oppenheimer
eine Abschlußzahlung von
bar 138 rt Cour. den 21. 9bris 1854.
ausbezahlt, wobei zu bemerken, daß
der Rest von 62 a dato verzinslich
zu liquidieren ist und das dritte
hundert Thaler unverzüglich . nach
gegebener Erklärung & Versicherung
des p Wolfes , binnen 8 Tagen auf
gebracht sein sollte. H.F. Blochberg

Anm: Mein Vorfahre H.F.Blochberg führte in dieser Art Buch über seine geschäftlichen Tätigkeiten.

L4





Am 5.8.1924 schrieb Dr. Vorwahl in der Niedersächsischen Post unter der Überschrift
" Die Synagoge in Mehle":
...
"Auf der Saalemühle bei Sehlde befindet sich, wo das Wasser in die Mühle eintritt, ein steinernes Portal. Seine Form beruht auf dem sogenannten Zackenbogen, d.h. einem Bogen, der mit seinem
Fuße auf dem Scheitel des unteren Bogens ruht. (Springer) Diese Konstruktion erinnert an den maurischen Baustil z.B. der Moschee zu Cordova und beweißt auch seine orientalische Herkunft
durch eine hebräische Legende. Diese lautet in deutscher Übersetzung: "Er sei gnädig dem Hause. Dies ist das Tor zu Gott. Die Gerechten werden hindurchgehen. Im August 615." Bei der kleinen hebräischen Zeitrechnung erhält man das christliche Jahr durch Addition von 1240. Die Jahreszahl würde also 1855 ergeben, wenn der 2. undeutliche Buchstabe resch = 200 zulesen ist.
Dieses Tor gehörte früher zur Synagoge in Mehle, die im Rodeschen Garten stand. Ihr Inneres läßt sich vielleicht nach der vollständigen Synagoge von Kirchheim rekonstruieren, die im Luitpold-Museum in Würzburg erhalten ist. Dem Eingang gegenüber stand die Lade mit den Gesetzesrollen. Außer den Sitzbänken befand sich dann der doppelsitzige Armstuhl für die Beschneidung (an der Eingangswand). In älteren Synagogen fehlten selten eine Lesetribüne und zahlreiche Kultschränkchen. Die Wände mochten durch hebräische Sprüche mit dem dekorativen Charakter ihrer Schriftzeichen einen reichen Raumschmuck erscheinen lassen. Der Keller enthielt wohl ein gemauertes Becken für das rituelle Bad.
Die Vernichtung dieses Kulturdenkmales ist außerordentlich bedauerlich. Es fand seinen Untergang gegen Ende der 60er durch eine Feuersbrunst. Die Gemeinde verzog mit der Südbahn meist nach Elze. Vielleicht finden sich in der Turbinenkammer oder anderswo noch Reste dieses Bauwerks, die noch weitere Aufschlüsse geben könnten. Dr. Vorwahl."

Anmerkung von Jürgen Huck, 2011: H.F.Blochberg hat die Synagoge gebaut, sie fiel nicht
einer Feuersbrunst zum Opfer, sie wurde abgerissen.

L5






Der Torbogen befindet sich heute auf dem Friedhof am Heilswannenweg. (s. u.)



Zu obigem Artikel veröffentlichte die N.P. am 9.8.1924 von A.B.
"Zu diesem Artikel kann ich mitteilen, daß ein großer Teil der fragl. Bausteine beim Kalkofenbau am Sonnenberge (hinter dem Papendal) vom derzeitigen Kalkwerkbesitzer Culemann verbaut worden ist. Nachdem das Grundstück für die Kalkbrennerei unrentabel wurde, verkaufte Herr Culemann dasselbe an den jetzigen Besitzer. Dieser ließ die Kalköfen abtragen und verkaufte die Steine weiter an Hauptmann a.D. Kern, der sie zum Bau seines Hauses an der Wülfinger Straße (z. Zt. Wohnung des Direktors der Waggonfabrik Heine & Holländer) verbaute. Ob aber an den kantig schön behauenen Steinen noch besondere Merkmale sind, ist mir nicht aufgefallen."

Anmerkung: Am 23.September 1939 schrieb der Regierungspräsident in Hildesheim
(siehe Hann 174 Nr.45, Landesarchiv Niedersachsen):

„Ich ersuche um Bericht zum 2.Oktober 1939, ob die Beseitigung der Ruinen der jüdischen Kultusvereinigungen inzwischen erfolgt ist bzw. wie weit diese fortgeschritten ist.“


L6







Lage des Friedhofes und der Synagoge in Mehle sind in dieser Karte erkennbar:



Quelle: Steinbrecher, Karte von der Entwicklung des Dorfes Mehle, Maßstab etwa 1 : 3000

Hinweis: Der Friedhof lag im Nordwesten an der Bruchstraße, die Synagoge (hier:"Israel.Judentempel") befand sich
östlich der Ev. Kirche auf der gleichen Straßenseite.

Werner Müller schrieb in Denkmale, Nr. 5 der Schriftenreihe des Heimatmuseums Elze auf Seite 44:

„Im Jahre 1995 hat die Stadt Elze den Torbogen der ehemaligen Mehler Synagoge denkmalartig
auf dem Friedhof platziert. Die Synagoge war 1855 in Mehle errichtet und 1866 verkauft und
abgebrochen worden. Die drei Torbogenteile lagerten an der Saalemühle, bis die Stadt Elze sie auf dem Friedhof zugänglich machte.
Die hebräische Inschrift lautet – nach Friederike Boxberg – von links gesehen:
„Elul im Jahre 5615 (Angaben aus dem jüdischen Kalender, nach unserer Zeitrechnung
vermutlich August 1855) Dies ist des Ewigen Pforte, die Frommen ziehen durch sie ein. (Ps.118) Sie haben das Haus des Ewigen geweiht. (1.Kö. 8,63)“

Anm.: Friederike Boxberg, Geschichte der Juden in Mehle und Elze
(Jahresarbeit an der Realschule Elze)
. Die jüdischen Friedhöfe in Elze und Mehle

L7





In einem Bericht der NP vom 23.2.1990:
„Im parkähnlichen Garten der Saalemühle zwischen Elze und Sehlde ruht ein kleiner Schatz: Auf einem Absatz liegt in drei Teilen und farblich dank eines dünnen Moosbewuchses in die wildwüchsige Umgebung eingepasst der Torbogen der ehemaligen Mehler Synagoge, die nach nur zwölfjähriger Existenz 1866 abgerissen wurde. Die Krönung des Portals - einem Kleeblatt nicht unähnlich - erwarb damals der Besitzer der Saalemühle, der ??? in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts als schmückendes Beiwerk bei der Neugestaltung der Turbinenläufe verarbeitete. In den 50iger Jahren mussten sie jedoch wieder weichen. Nun haben sich der Schul- und Kulturausschuß und die Verwaltung des steinernen Zeitzeugen angenommen und wollen ihn - mit Einverständnis des heutigen Mühlenbesitzers Rudolf Fiedler - aus seinem Schattendasein ins Licht der Öffentlichkeit rücken.“

Seit 1995 befindet sich der dreiteilige Torbogen der ehemaligen Mehler Synagoge
(vgl. Steinbrecher, S.61) auf dem Friedhof am Heilwannenweg. (s. o.)

L8







L9






Die jüdischen Friedhöfe in Elze und Mehle



„Der Friedhof in Mehle blieb nach 1864 im Besitz der Synagogengemeinde Elze und wurde weiter genutzt. 1903 wurde er wegen des zu hohen Grundwasserspiegels geschlossen; die letzte Beerdigung fand dort aber noch 1925 statt. Die Synagogengemeinde erwarb 1903 eine kleine Parzelle am Poppelweg *) und legte dort einen neuen Friedhof an.“
„Das Friedhofsgelände in Mehle wurde 1942 verkauft und dem Eigentümer die Beseitigung der Grabsteine genehmigt. Die Grabsteine wurden vermutlich zur Straßenbefestigung verwendet. Auf dem ehemaligen Friedhofsgelände befindet sich heute eine Tischlerei."

*) Nach Herrn Blinne hieß der heute nördlich der Sehlderstr. gelegene Teil des heutigen Heilswannenweges früher Pappelweg.

In der Beilage „Landkreis Hildesheim“ vom 25.7.1990 ist zu lesen:
„Woher die Elzer Juden kamen und was aus ihnen wurde, ist ungewiß. Nur wenige sichere Quellen geben einen Eindruck über ihr Leben. Erhalten ist zum Beispiel ein Schriftwechsel mit der Verwaltung von Elze aus dem Jahre 1855.
Ziel der jüdischen Gemeinde war damals ein eigener Friedhof - nicht etwa, weil sie
selbst danach den Wunsch verspürte:
Christliche Mitbürger wollten die Andersgläubigen
nicht einmal im Tode neben sich akzeptieren. Sie störten sich an der Vorstellung, neben
einem Juden begraben zu sein.
Bis endlich 1904 ein kleines Gelände am Heilswannenweg zum Judenfriedhof
wurde vergingen noch 50 Jahre.“

M1







Am 2. September 1903 erhielt der Magistrat Elze eine Abschrift eines Schreibens des Regierungspräsidenten aus Hildesheim an den Landrat des Kreises Gronau
.. "Auf Grund des §27 des Gesetzes vom 30.September 1842 über die Rechtsverhältnisse
der Juden genehmige ich hiermit, daß auf dem Grundstück Kartenblatt 16..... Parzelle 18
der Gemarkung Elze in Elze in Größe von 11,79 Ar für die Synagogengemeinde Elze
ein Begräbnisplatz angelegt wird.
Der Begräbnisplatz ist einzufriedigen und vor Ingebrauchnahme eine Friedhofsordnung
aufzustellen, welche mir zur Genehmigung vorzulegen ist.".....

Den Friedhof in Elze, Heilswannenweg,
kaufte die Stadt 1960 zurück und richtete ihn zu einer Gedenkstätte mit einem Gedenkstein her. Zwei Grabsteine sind noch übrig geblieben.“ (Dirk Riesener,1997)

M2








Berta David, die 1848 geboren und 1920 gestorben ist. Der zweite Grabstein ist in einem Mehler Garten geborgen worden und auf dem Elzer Friedhof aufgestellt worden. Lesbar sind auf dem Stein noch der Name Salomon Oppenheimer und die Daten:
geb. 17.April 1817 in Gifhorn
und gest. 8.Juni 1892 in Elze.

Die HAZ notierte:“ Keiner weiß wo die anderen Steine geblieben sind, die einst über den jüdischen Gräbern standen.“

Werner Müller schrieb im Jahr 2000 in Denkmale, Heft Nr. 5 der Schriftenreihe des
Heimatmuseums auf Seite 43:

..“Ein Friedhof für die neuen jüdischen Mitbürger in Elze ist aber erst im Jahre 1903 genehmigt worden. Im Jahre 1939 ist diese Genehmigung wieder zurückgezogen worden. Das Friedhofsgelände wurde an einen Privatmann verkauft. Nach dem Kriege ist im Jahre 1960 der ehemals belegte Teil des jüdischen Friedhofs an den Landesverband jüdischer Gemeinden zurückgegeben und ein Mahnmal aufgestellt worden.“
Am 24.Juli 1903 schrieb der Regierungspräsident aus Hildesheim an den Vorsteher
der Synagogengemeinde Elze, Herrn Wolfes; (SAE):


"Auf ihre Eingabe vom 13. d. Mts.
erwidere ich Ihnen, daß ich den Herrn Land-
rat des Kreises Gronau ermächtigt habe, seiner
Zeit die Beerdigung der Witwen des Samuel
Wolfes, Harry Wolfes, David Stern und Leeser
Oppenheimer zu Elze sowie des Phillipp Wol-
fes zu Hannover auf dem jüdischen Fried-
hof in Mehle unter der Bedingung zu ge-
statten, daß die Einzelgräber allseitig mit einer
wasserdicht mit Cementmörtel hergestellten
Mauer (Gruft) versehen werden.
Ich behalte mir die Zurücknahme dieser
Ermächtigung für den Fall vor, daß sich Unzuträglichkeiten
ergeben sollten.
Den Bescheid des Herrn Landrat in Gronau
vom 29. d. Mts schließe ich wieder an.
gez. Fromme "

M3





Am 5.Juli 2008 berichtete die Leine Deister Zeitung unter der Überschrift
"Wenn Asche nicht zu Asche wird " über Wachsleichen:
"Zu viel Wasser im Boden lässt Tote nicht verwesen / Wachsleichen auf jedem
vierten Friedhof"

Da Wasser Sauerstoff von den Särgen fernhält, gibt es bei unter Wasser
stehenden Särgen keine Verwesung, das Körperfett wandelt sich zu einer beständigen
Schutzschicht um. Staunässe, Haftnässe und Grundwasser können Särge luftdicht
versiegeln.
Bei einem betroffenen Friedhof - so berichtet die Zeitung - sollen
Plastikmäntel und eine Art Schnorchel das Wasser fernhalten
und genug Luft an die Särge heranlassen.

Die Vorgaben des Regierungspräsidenten
aus dem Jahre 1903 für Beisetzungen auf dem jüdischen Friedhof in Mehle werden so wohl verständlich.

M4





Fritz Kleuker notierte am 2.10.1982:
„Der Judenfriedhof am Heilswannenweg in Elze wurde am 30.Januar 1904 von der Synagogengemeinde in Elze gekauft. Das Grundstück ging durch bis zur Schlesischen Straße, früher Grasweg. 1939 kaufte Herr Otto Blume Hauptstraße 25 das Grundstück. (Friedhof)
1960 ging die Hälfte zum Heilswannenweg wieder zurück an den Landesverband jüdischer Gemeinden Niedersachsen e.V. Hannover.“


Am 22.10.1911 (Sonntag) erschien in der Niedersächsischen Post folgender Artikel:
"Elze. Die Einweihung des jüdischen Friedhofes unweit der Sehlder Straße, fand Freitag
gelegentlich der Beerdigung des Kaufmanns Eduard Oppenheimer statt. Diesem
allseitig beliebten Manne folgte eine große Anzahl Leidtragender, der Gesangverein und Turnverein mit Fahnen, wodurch die Feier auf dem Friedhof ein besonderes Gepräge hatte.
Landesrabbiner Dr. Lewinsky-Hildesheim schickte der Grabrede an der ersten Gruft ernste Weiheworte voraus, die tiefen Eindruck machten.".....

M5






Die LDZ berichtete unter „Die Geschichte hautnah erleben Werner Müller hält historischen Rückblick auf jüdischen Friedhof“ von einer Veranstaltung des Heimatmuseums zusammen mit Heimat- und Geschichtsverein und der Kreisvolkshochschule:……“Die Elzer Synagogengemeinde erwarb im Jahre 1903 den jüdischen Friedhof als Begräbnisstätte. Seit 1904 fanden hier 30 Juden ihre letzte Ruhestätte. 1939 wurde das Gelände verkauft und 1940 fand die Liquidierung der Synagogischen Gemeinde in Elze statt. 1941 waren in Elze keine Juden mehr ansässig. 1960 wurde der belegte Teil des Friedhofs an die Stadt zurückgegeben. Aus diesem Jahr stammt auch das Mahnmal. Das zu Ehren von vier Familien errichtet wurde, die vom Schicksal des Dritten Reiches betroffen waren. Der Portalbogen der ehemaligen Mehler Synagoge, der ehemals auf dem Gelände der Saalemühle lagerte, hat hier seit 1995 einen ehrenvollen Platz gefunden.
Im 18. Und 19. Jahrhundert hat es in Mehle eine blühende jüdische Gemeinde gegeben. Ab1723 wird von der Gründung berichtet und zwar zählten dazu vier Händlerfamilien mit 19 Personen. 1816 waren es elf Familien, die sehr wohlhabend gewesen sind. 1836 war die Höchstzahl von 72 Personen erreicht 1872 noch zwölf Personen, 1899 noch zwei Personen und 1936 nur noch Isaac Fleichmann. Traf man sich 1760 im Dominikanerhaus zum Gebet, so galt ab 1854 die fertiggestellte Synagoge in Mehle als Zusammenkunftsort für Gebet, Versammlungen und Belehrungen. 1855 wurde sie eingeweiht mit 30 bis 40 Personen. 1866 wurde sie verkauft, wonach der Abbruch erfolgte.
In dieser Zeit wurden die Juden auf dem Mehler Judenfriedhof áuf dem Bruche`
bestattet. Hier erfolgte 1925 die letzte Bestattung. 1942 wurde das Gelände an den Zimmermeister Suhlry verkauft, der dieses an Karl Brennecke zum Bau einer Werkstatt veräußerte.
In Elze gab es im Jahr 1861 36 jüdische Personen, 1864 neun Familien und 1885 maximal 52 Personen. Die Synagogengemeinde wurde 1864 nach Elze verlegt. Die Gemeindeleitung lag von 1856 bis 1903 in den Händen von Samuel Wolfes und dann von 1903 bis 1933 bei seinem Sohn Dagobert. Der Gebetsraum befand sich in der Hauptstraße.“

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Die folgenden beiden Fotos sind im Elzer Heimatmuseum archiviert.
Sie zeigen Vorder- und Rückseite eines Steins.
Auf der Rückseite eines Fotos ist notiert:

„Stein eh. Mehler Judenfriedhof, als Packlage 1936“

Er fand Platz in der Mühle des Elzer Heimatmuseums.



Vom ehemaligen jüdischen Friedhof in Mehle stammen auch folgende Steine:







Vorläufige Übersetzung obiger Inschriften von Dr. Kaufhold, München. Da es noch Fehlstellen gibt, soll sie noch ergänzt werden.

Zum ersten Stein (Süßapfel):

......... ש ה י ק ר.................ן כה
אברהם הלוי שהלך לעולם
ב י ו ם ש ב ת ק ד ש כ׳ א ד ר
בשנת תרכב׳ לפק״ ונקבר
לפ״ק״

= Abkürzung für

לפרט קטן

„nach der kleinen Zeitrechnung“ (d. h. der
Tausender der Jahreszahl ist weggelassen)
…………………………..……………. hier
Abraham, der Levit, der in die Ewigkeit ging
am Tag des heiligen Sabbat, am 20. März
im Jahr 622 nach der kleinen Zeitrechnung, und begraben wurde
[am …]

Der 20. März des jüdischen Jahres (5)622 entspricht dem 20. März 1862.


Zum zweiten Stein,
wohl nur rechte Hälfte eines Grabsteins:


פ [נ]
אשה חשובה מ מ ש פ ח ת
מכ״ יוסף שטאטהאגען ..…
מכ״

= wohl Abkürzung für

כבודז מעלת

„erhaben an Ehre“

Hier [ist begraben]_
eine geachtete Frau aus der Familie
des ehrenwerten Joseph Stadthagen ....

Zum dritten Stein:

................................... ניים ברעיה
כפיה עטרה לבית הכנסת ולת׳
עשתה כל ימיה הילולה יעמוד
לזכרון לבניה ולבני בניה עד עולם
היא מרת שרה בת כה׳ נתן מ…יינע
.……………………………….……ק ווא.…………
ולת׳

= Abkürzung für

תורה דברי

„Worte der Thora“ oder

דין תורה

„Recht der Thora“


כה׳

= Abkürzung für

כהן

„Priester“ ?
…………………………._
………Krone für die Synagoge und die Worte der Thora
machte sie alle ihre Tage………………… soll stehen
zum Gedächtnis für ihre Kinder und Kindeskinder in Ewigkeit,
sie ist die Herrin Sarah, die Tochter des Priesters (?) Nathan (?) M…aine (?)
....





Die folgenden Bilder zeigen das von dem jüdischen Landesverband entworfene Denkmal, einer Stele aus Buntsandstein




In hebräisch und auf deutsch steht dort:

Wäre nicht der Ewige uns beigestanden,
gingen über unsere Seelen die schwellenden Wasser hin.
Zum Gedenken an die Angehörigen der jüdischen Gemeinde in Elze,
die hier ihre Ruhe fanden.
Den Lebenden als Mahnung zu Wachsamkeit.
Ps. 124, 2.u.5.


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Gräber auf dem Elzer Friedhof


Ganz hinten, in der süd-östlichen Ecke des Elzer Friedhofes, befinden sich
in der Abteilung 4D in den Reihen 4 und 5 ....
sich ähnelnde Gräber, Gräber von Zwangsarbeitern und -arbeiterinnen?




Nur zwei der Gräber haben einen senkrecht stehenden Grabstein:


A.K. ist die Abkürzung von Armia Krajowa. Das ist die polnische Heimatarmee, die sich im Warschauer Aufstand (nicht zu verwechseln mit dem im Warschauer Ghetto) im August 1944 gegen die Deutschen Besatzer erhob.

Erste vorgeschlagene Übersetzung:

Soldat des Aufstands in Warschau
Kapitän A.K.
Jerzy Laskowski
15.2.1922-9.9.1945
Gott Ehre und Heimat

Zweite vorgeschlagene Übersetzung:

Soldat des Warschauer Aufstandes
Fähnrich (kapitan podchorazy) A.K.
Jerzy Laskowski
15.2.1922-9.9.1945
Für Ehre und Vaterland


Die Inschrift des zweiten senkrecht stehenden Grabsteins ist schwer zu erkennen:




Salomon Andrzei verstorben 6.8.1945
Der Geburtstag war der
10.11.1923.


Die anderen Grabsteine mit Sterbejahr und errechneten Lebensalter:



Ein weiteres Grab:






Beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen fand ich das folgende Dokument.
Es gibt weitere Auskünfte über die Verstorbenen.








Anmerkung: Der damalige Superintendent Gottfried von Hanffstengel hat dieses Dokument unterschrieben.

Die Auswertung:






Ferner ergibt sich:


Das folgende Dokument befindet sich ebenfalls beim Internationalen Suchienst in Bad Arolsen.



Es ergibt sich:





Und darüber hinaus:


Das gepflegte Grab in Sehlde



Zum Schluß dieses Abschnitts eine Skizze des Elzer Friedhofes:



Das Lager hinter der Bahn und andere Unterkünfte


Aus dem Bildband von Jürgen Huck entnahm ich das folgende Bild:

Huck schrieb dazu unter anderem:
„Oben sieht man die Einweihung des Franz Seldte-Platzes hinter dem Elzer Bahnhof (etwa 1932):“

Anmerkung: "Seldte Franz, Politiker, * Magdeburg 29.6.1882, gest. (in amerikan. Haft) Fürth 1.4.1947; Fabrikant, gründete 1918 den Stahlhelm, dessen Bundesführer er bis zur Eingliederung in die SA 1933 war, 1933-45 Reichsarbeitminister"

zit.n.Die Zeit, Das Lexikon, Band 13, S.307

Am 2.9.1943 schrieb die Niedersächsische Waggonfabrik:

„ Auf Grund des § 2 der Verordnung teilen wir Ihnen mit, daß wir unter meiner Führung für die Elzer Industrie ein Gemeinschaftslager betreiben, daß sich auf dem Reichsbahngelände hinter dem Bahnhof Elze befindet, in dem bis zu 2oo Arbeitskräfte untergebracht werden können."
.......
"Die Leitung des Lagers wird von uns durchgeführt.
Heil Hitler
ppa Niedersächsische Waggonfabrik Joseph Graaff“
unleserliche Unterschrift






Nur für den Dienstgebrauch der Reichsbahn entstand im Maßstab 1:1000 eine im Dezember 1936 berichtigte, detaillierte Karte des Elzer Bahnhofs und der näheren Umgebung. Oben ist
das angesprochene Gelände dargestellt.
Zwischen Baustofflager und Bahnhof befanden sich -wie die Karte zeigt- zwei Beobachtungs- und ein Luftschutzbunker.
Der Vergleich mit den folgenden Bildern zeigt, dass das Baustofflager Elze zum Zwangsarbeiterlager erweitert wurde.

Stöber schreibt zu untenstehendem Bild:
„Nachmittagsbetrieb auf den Elzer Bahnhof Ende der 1950er Jahre“



Vom Bahnhof aus gesehen ergab sich noch 1953 folgendes Bild:



Offenbar war der Blick auf das gesamte Lager den Reisenden verwehrt.
Dieses Bild entstammt der Diplomarbeit von Rose Marie Metze aus Sarstedt, Juli 1953, IIA3, Heimatmuseum Elze


Noch heute steht das im folgenden Bild erkennbare Gebäude:



Werner Beermann fand im Niedersächsischen Landesarchiv in Pattensen einen
Schriftwechsel aus dem Jahre 1943:

Die Waggonfabrik Joseph Graaff, das Gewerbeaufsichtsamt, die Deutsche Arbeitsfront, das Arbeitsamt befassten sich mit nötigen Ausstattungsveränderungen der Baracken des Arbeitslagers Elze.

(Niedersächsisches Landesarchiv, Hann. 140 Hildesheim Acc. 47/63 Nr. 296)

Daraus geht hervor:

" Belegschaft total: 139.
1 Reichsdeutscher,
1 Belgier,
1 Ungar,
1 Französin,
46 Franzosen,
11 Holländer,
3 Ukrainer,
43 Ostarbeiter.

Hieran sind beteiligt:
Waggonfabrik : 80
Woge : 5
Sterchamolwerke : 24
Maßmann & Gödeke : 16
Beck : 6
Hagen : 3
Nagel : 4
Pleißner : 1

6. Behandelnder Arzt: Dr. Kuhlmeyer in Elze.
Gesundheitszustand: gut.

Es ist eine Gemeinschaftsverpflegung eingerichtet.

Als Forderungen sind zu stellen:
1. Einrichten einer Krankenstube und eines Eßraumes
2. Für den Feuerschutz sind noch mehr gefüllte Wasserbehälter aufzustellen.
3. Die Klosetts sind mit einem geeigneten Klosettpapier zu versehen.
„Im Übrigen entspricht das Lager der Lagerverordnung.“

(Gemeint ist die Lagerverordnung vom 14.Juli 1943, RGBL I S.388)

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Das oben beschriebene Lager war nicht die einzige Unterkunft für ausländische Arbeiter/Zwangsarbeiter
in Elze.
Nach Zeugenaussagen befanden sich weitere Unterkünfte im Deutschen Haus, beim Schützenhaus,
in der Gerberstraße, am Bahnhof, natürlich auf den Höfen und auf dem Gelände der Waggonfabrik.
Das folgende Bild zeigt eine Unterkunft auf dem Gelände vor der alten Markthalle, im Hintergrund die Gebäude
von Neumann und Stutz.




Zwangsarbeiter ?



Ein Zitat von einem Elzer Bürger:
"Zwangsarbeiter?
Hat es hier nicht gegeben. Die waren alle freiwillig hier.“

Alle?
Uniformiert und bewacht zeigt das folgende Bild polnische Männer vor dem Deutschen Haus.




Andererseits gibt es auch Hinweise auf freiwillige Arbeitsverhältnisse:
Folgende Aussagen sind entnommen aus 26 III SAE:
- Belgier waren bei der Bahnmeisterei beschäftigt. Am 30. Juli 1941 hatten dort 5 Belgier ihren Dienst beendet, 5 waren aus dem Urlaub zurückgekehrt, 4 waren aus dem Urlaub nicht zurückgekehrt.
- Am 1. Dezember1941 kehren 7 italienische Landarbeiter zurück
- Am 6.2.1942 sind in Elze 17 Italiener gemeldet, die alle bei der Waggonfabrik arbeiten,
5 Italiener waren zu diesem Zeitpunkt nicht aus dem Urlaub zurückgekehrt.
- Vom 16.März 1942 datiert ein Schreiben der Niedersächsischen Waggonfabrik an die Stadt:
„Unser italienisches Gefolgschaftsmitglied Arturo Moretti haben wir veranlasst, sofort einen neuen Paß bei der Konföderation in Hannover zu beantragen. Gleich nach Eingang werden wir ihnen denselben vorlegen. Heil Hitler“
Im Archiv befindet sich unter gleicher Nummer auch ein Hinweis auf ein Abkommen der Deutschen und der Niederländischen Regierung über „Gastarbeitnehmer“ aus dem Jahre 1935.


Man kann nicht bei jedem einzelnen Namen zuordnen, ob die betreffende Person als
Arbeitsmigrant, d.h. freiwillig, oder als Zwangsarbeiter in Elze war.

Den Begriff Fremdarbeiter halte ich für ungeeignet. Er verschleiert den Zwang, dem die Mehrzahl der ausländischen Arbeitskräfte in dieser Zeit unterlag.

Kriegsgefangene, Zivilpersonen, KZ-Häftlinge wurden zur Arbeit gezwungen. Auch hierbei gibt es (formale) rechtliche Unterschiede. Ich habe keinen Hinweis darauf, dass KZ-Häftlinge in Elze arbeiten mussten.

Wie die Geschichte von Emil Czaja zeigt, konnten aus Kriegsgefangenen Zivilpersonen werden. Natürlich drohte auch Zivilpersonen ein Arbeitserziehungslager, Straflager.

Zwangsarbeiter wurden ungleich behandelt. Ursachen dafür waren die unterschiedlichen Charaktere und Einstellungen, grundlegend aber auch der politische Rahmen (Stichworte: Ostarbeitererlass-Rassenideologie).


Aus: „ZWANGSARBEIT. DIE ZWANGSARBEITER UND DER KRIEG“, Begleitband zur Ausstellung, herausgegeben von Volkhard Knigge, Rikola-Gunnar Lüttgenau und Jens-Christian Wagner im Auftrag der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Weimar 2010“, S. 180:

„WER MUSSTE IM DEUTSCHEN REICH ZWANGSARBEIT LEISTEN?

„Fremdarbeiter“
Nach Deutschland gebrachte Zivilarbeiter und -arbeiterinnen aus den besetzten Gebieten denen es verboten war, ihren Arbeits- und Aufenthaltsort zu verlassen. Meistens waren sie in „Gemeinschaftslagern“ untergebracht. Innerhalb dieser Gruppe waren die Existenzbedingungen für polnische Arbeitskräfte und sogenannte „Ostarbeiter“ (sowjetische zivile Arbeitskräfte) am schlechtesten. Die Gesamtzahl der „Fremdarbeiter“ betrug 8,4 Millionen Männer und Frauen.

Kriegsgefangene
Entgegen den Bestimmungen des Genfer Kriegsgefangenenabkommens von 1929 zwang die Wehrmacht insbesondere sowjetische und italienische Kriegsgefangene zur Arbeit in der Rüstungsindustrie. Die Gesamtzahl der zur Zwangsarbeit herangezogenen Kriegsgefangenen in der Rüstungsindustrie und in der Landwirtschaft betrug 4,6 Millionen Männer.


Strafgefangene
Im Verlauf des Krieges wurden auch die Insassen von Gefängnissen und Strafgefangenenlagern zunehmend zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie herangezogen. Ihre Gesamtzahl dürfte bei 200.000 liegen.

„Arbeitsjuden“
Seit 1938 wurde die jüdische Bevölkerung im deutschen Machtbereich zur Zwangsarbeit herangezogen. Untergebracht waren diese Menschen in Zwangsarbeiterlagern und Ghettos. Fast alle wurden später in den Vernichtungslagern ermordet. Seit dem Herbst 1944 mussten auch ihre nichtjüdischen Angehörigen (sogenannte „Halbjuden und jüdisch Versippte“) Zwangsarbeit leisten. Die Gesamtzahl der Juden und Jüdinnen, die im Reichsgebiet außerhalb der Konzentrationslager
Zwangsarbeiter leisten mussten, beträgt etwa 110.000. Außerhalb der Reichsgrenzen waren die Zahlen wesentlich höher.

KZ-Häftlinge
Seit 1943 wurden fast alle KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeiter in der Rüstungsindustrie herangezogen. Die Gesamtzahl der Zwangsarbeit leistenden KZ-Häftlinge betrug etwa 1 Millionen Männer und Frauen.“










Der ITS in Arolsen archiviert folgende 4 Dokumente:











66 Franzosen
11 Belgier
9 Holländer
47 Italiener
3 Kroaten
6 Polen
69 Russen
und jeweils ein Tscheche und Serbe arbeiteten demnach bei der Waggonfabrik.
128 von ihnen wurden erst am 7.4.1945 entlassen.
(überwiegend Russen und Franzosen, nur 3 Italiener)
Die jüngsten Arbeiter waren erst 13, die älteste Arbeiterin war 73 Jahre alt.


Der Ordner 2.1.2.1 0015 des ITS-Arolsen enthält für den Landkreis Alfeld weitere Aufstellungen der bei Firmen, Bauern und Privathaushalten arbeitenden Arbeiter/Zwangsarbeiter.
Arbeitsstellen, Namen, Nationalitäten, Dauer sind dabei festgehalten.

Anmerkungen:
Bei Röchling/Buderus (Mehle) arbeiteten 139 ausländische Arbeiter/Zwangsarbeiter
In der Industrie, im Handwerk und bei der Stadt Elze arbeiteten insgesamt 415 ausländische Arbeiter/Zwangsarbeiter.

In der Landwirtschaft arbeiteten demnach 137 ausländische Arbeiter/Zwangsarbeiter, davon allein auf den beiden Rittergütern 49 Italiener, 19 Polen, 4 Holländer, 18 Russen und 2 Ukrainer.



Einzelbilder





Aus einem Brief aus dem Jahre 1974:

„Sehr geehrte Familie Wente!
Bin in Lodz zur Weihnachten bei Watzek Kubik gewesen und habe Ihren lieben brief aus Elze gelesen.
leider Watzek kann nicht antworten den ehr kann nicht Deutsch schreiben, hat mich gebeten soll Ich den brief beantworten. Also ich bin auch ein Ehemaliger Bürger der Staadt Elze, wohnte in der Löwentorstrasse 17 bei
Herrn Hermann Mäckeler, vieleicht können sie sich Erinnern. Polnischer Kriegsgefangener beschäftigt bei der Stadtverwaltung als Städtischer Arbeiter, ich wurde gerufen „Emil“ (der diecke Feldwebel) mich wird jeder Bürger der Stadt Elze kennen(Müllaschefahrer) Kolone: Karl Lechte, Ösederstr. Wilhelm Fluch (der Bösen Taat) Heinrich Jochanisson Gartenstr., August Flentsche Gartenstr. Wilhelm Wegener, Heinz Bodenstein, Albert Gehrke aus Mehle und viele andere „……
Später:
„Was halten sie von der ganzen Politik? Mit den Vertrag den Eure Regierung vor kurzer Zeit mit Polen abgeschlossen hat erhoffen wir uns alle eine baldige bessere Verbindung und restlose Aussöhnung mit den Völkern beider Staadten.
Wir freuen uns alle das Eurer Bundeskanzler Willy Brandt die Ostverträge unter Dach und Fach gebracht hat, so wie den Grundvertrag mit DDR dem nur der Handel und Wandel kann alle weiterbringen und ein friedliches miteinander Leben mit seinen Nachbaren.
Nun schliesse mein Schreiben lacht nicht über meine fehler ich kann würklich nicht anders, das ist alles wahs ich in Elze gelernt habe, habe sehr viel Zeitungen gelesen auch viele Bücher und Liebesromane von Frau Hanchen Wiese, Dörchen Büssel (Schüttler) sie hat mir sehr viel in der Deutschen Schrift geholfen, wahs ich ihr sehr dankbar bin.“

In einem weiteren Brief aus dem Jahre 1975 wird deutlich:
5 Jahre arbeitete Emil Czaja als städtischer Arbeiter in Elze. Sein Vater wurde nach Barsinghausen „ausgewiesen“ und starb im Krieg in Egestorf und ist da auch begraben.
Den Besitz der Familie – ein Geschäft mit Bauwaren – beschlagnahmten erst die Deutschen, später enteignete sie der polnische Staat.
„Unserer Ansicht entsprechend ist es eben so wichtig, das sich die Völker verständigen und niemals mehr Krieg führen, denn was wird alles für Unheil und Schaden angerichtet. Die höeren Herrn müssen sich eben all sehr ansträngen damit kein Morden mehr geschehen kann.“

Von Familie Bruno Mäckeler, Löwentorstraße, in deren Haus Emil Czaja wohnte, erhielt ich folgende Bilder, die ihn und andere bei der Arbeit zeigen:






Johann und Stanislawa Kazijnski waren, wie folgende Versicherungsnachweise zeigen, bei Landwirt Fritz Mundt beschäftigt.



Ihr gemeinsames Kind starb an Diphterie und wurde bei den Kindergräbern auf dem Elzer Friedhof begraben.







Herr Wente sagte zu diesem Bild: Der kleine Junge war das Ergebnis einer Vergewaltigung durch einen Deutschen, die Drei wurden von den Sowjets nach Sibirien deportiert.

Herr August Blinne stellte folgende Zeichnungen eines ukrainischen Gefangenen zur Verfügung:

Nach kleinen Abbildungen entstanden detailgetreue Bilder von zwei gefallenen Mitgliedern der Familie Blinne.

Er berichtete auch: Eines Tages sah ein russischer Gefangener wie die Mutter von Herrn Blinne mit ihrem Mann Holz sägen musste und löste diese freiwillig bei der Arbeit ab.
Am Wochenende wurde nun immer eine Semmel mehr im Hause Blinne gebacken.


Zur Situation nach der Befreiung





Aus den Aufzeichnungen von Wilhelm Sempf „Die Einnahme der Stadt Elze durch alliierte Truppen am 6.April 1945“ ( S.9):
„Facit – Mitte Januar 1946
Die größte Landplage aber bildeten nunmehr aller ihrer Fesseln ledig gewordenen
Fremdarbeiter. Diese waren zu Millionen (nach alliierten Angaben etwa 10 Millionen) nach
Deutschland gebracht worden, um als Arbeitskräfte in Landwirtschaft und Industrie beschäftigt zu werden. In der Hauptsache waren es Russen, Polen und Franzosen, aber auch Serben, Ungarn, Belgier, Holländer und andere Fremdvölker waren darunter. Namentlich die Russen u. Polen fanden sich bald nach ihrer Freilassung zu Haufen zusammen und bildeten eine Gefahr für die Bevölkerung. Auch wir in Elze hatten viel darunter zu leiden, da die Amerikaner in ihnen befreundete Alliierte sehen und selbst bei offen zu Tage liegenden Ungerechtigkeiten nicht mit Strenge durchgriffen. Ein besonderer Umstand war ein großes Weinlager, welches sich in den Brodthagen´schen Lagerräumen am Bahnhof befand. Die hier liegenden Weinvorräte, wohl an 500000 l schwerer griechischer Süßwein, waren der Plünderung preisgegeben. Die Fremdarbeiter wurden durch den von ihnen lang entbehrten Alkohol von weit entfernten Orten nach hier gelockt, wo sie sich bei den Bauern u. in den Scheunen u. Ställen einquartierten und nun auch neben dem Getränk für eine reichliche gute und feste Nahrung besorgt waren. Mit den auf Grund der Nahrungsmittelkarten zu liefernden Nahrungsmittel nicht zufrieden, raubten und plünderten sie solche, wo sie derselben fanden. Namentlich die bäuerliche Bevölkerung hatte schwer darunter zu leiden. Es wurden ihnen die Schweine u. Rinder am hellen Tage aus den Ställen geholt und abgeschlachtet. Teils waren die Übeltäter auch dabei vom Alkohol so angefeuert, daß es ihnen auf ein Menschenleben mehr oder weniger nicht ankam. Dies musste auch Nachbar Dannhausen erfahren, als die Polen ihm sein Auto vom Hofe holen wollten und ihm, da er sich widersetzte, halb tot schlugen u. einen ehemaligen Sparkassenbeamten Bock durch Messerstiche in die Lunge derartig verletzten, daß er noch nach 9 Monaten immer noch bettlägerig ist. Auch
Die Hühnerbestände wurden mächtig gelichtet, so namentlich bei Nachbar Dannhausen und bei Bartels. Die Überfälle außerhalb der Ortschaften auf den Landstraßen gehörten zur Tagesordnung, die Russen u. Polen hatten es dabei hauptsächlich auf die Uhren und Fahrräder der Passanten abgesehen.“….





Joseph Graaff leitete die Waggonfabrik nach eigenen Angaben seit 1921.

Im Entnazifizierungsverfahren (Siehe Niedersächsisches Landesarchiv, Nds.171 Hildesheim Nr. 3339) von Joseph Graaff wird diesem ein positives Zeugnis bzgl. der Behandlung der „beschäftigten Ausländer“(n) in der Waggonfabrik
ausgestellt.
Graaff selbst führt zur Verteidigung an:

„When the french prisoners of war left for home after Germany’s defeat they said farewell to me personally.” Und weiter: “That all foreign workers were satisfied with their treatment, can be proved by the fact that no robberies occurred in the factory. Not even a simple window was smashed.”




Herr Müller übermittelte mir: Pfarrer Dorenkamp schrieb für das Jahr 1945 in der Kirchenchronik der katholischen Kirche in Mehle:


…..“Die ersten Monate nach dem Kriege brachten eine Hochflut an Ausländer-
trauungen. Am 1. Pfingsttag wurden nach dem Hochamt 17 getaufte Personen
getraut. Überhaupt brachte dieses Jahr einen Höhepunkt an Seelsorgl. Hand-
lungen: 97 Taufen, 79 Trauungen, 58 Beerdigungen.
Von August bis Oktober waren in einem Lager in Elze etwa 200 junge
Ungarn, die als militärische Helfer nach Deutschland gebracht waren u. noch nicht in
die Heimat zurückkehren konnten. Sie hatten mehrere Male besondere Gottesdienste
in der Kapelle in Elze.-Auch die Polen wurden nach un nach ? in Lagern zusammen
gefaßt. Ein Teil der Polen durfte im Laufe der letzten Monate des Jahres in die Heimat
zurück. Am Schluß des Jahres bestand nur noch das Lager "Towstaniec" in Elze.
Für die Polen hielt ich einige Male besonderen Gottesdienst, auch gab ich den Kindern
in Elze u. Mehle polnischen Unterricht. Einige Male hielt auch der polnische Lagergeistliche
aus Alfeld, Faustmann, seinen Landsleuten Gottesdienst.“…


Towstaniec polnisch für : Aufständische(r), Rebell

(eigene Übertragung der handschriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers)










Quellenverzeichnis


© Jürgen Sempf
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